150 Jahre Backnanger Industriegeschichte

Ein Blick in die Techniksammlung (II) - Die Konzeption: Alte Handwerke, Maschinenbau und Nachrichtentechnik

Von Heinz Wollenhaupt Heinz Wollenhaupt

Tag der offenen Tuer tbImmer wieder lädt die Techniksammlung zum Tag der offenen Tür ein: Dieses Bild entstand 1996. Archivfoto: M. MelchertBacknang - Am 16. April 1994 wurde die Techniksammlung in der Halle der alten Fertigmacherei der Firma Kaelble in der Mühlstraße 13 erstmals der Öffentlichkeit bei einem Tag der offenen Tür vorgestellt. Zum 77. Altstadtstammtisch des Heimat- und Kulturvereins Backnang am 26. April 1994 im Helferhaus wurde die Konzeption der künftigen Techniksammlung Backnang erläutert und diskutiert. Diese konnte in den vergangenen Jahren konsequent umgesetzt werden. Die Industrie, die Backnang in den vergangenen 150 Jahren geprägt hat, soll Interessierten in einem modernen Museum vor Augen geführt werden. Die klassischen Aufgaben jedes Museums (sammeln, bewahren, forschen, dokumentieren, Wissen vermitteln und Exemplarisches ausstellen) werden realisiert.

Die Bereiche der Backnanger Techniksammlung sind:

  • Gerberei: vom Handwerk des 17. Jahrhunderts bis zur industriellen Fertigung von Leder.
  • Spinnereibetrieb: speziell Firma Adolff von 1832 bis 1989.
  • Straßenmaschinenbau: die Firma Kaelble seit 1895 in Backnang.
  • Nachrichtentechnik seit 1948 als AEG Fernmeldetechnik und später Telefunken in Backnang.

Der Umfang der Sammlertätigkeit kann in zwei Gruppen unterteilt werden: Bei Gerberei und Spinnereibetrieb bilden nicht die Produkte Leder oder Garn das Ziel der Sammlung. Vielmehr wird das Augenmerk darauf gerichtet, wie die Produkte Leder oder Garn in ihren vielen Variationen hergestellt wurden und welche Maschinen den Entstehungsprozess des Produktes bestimmten.

In der Gerberei reicht die Palette von der Dampfmaschine als zentrale Energieversorgung bis hin zur Messmaschine, mit der schließlich das fertige Produkt vermessen wurde.

Spinnerei: von der Reißmaschine bis zur fertigen Spule und der Verarbeitung des Garnes.

Bei den Firmen Kaelble und AEG/Telefunken – AEG – Bosch Telecom steht jedoch das Produkt im Mittelpunkt des Sammelns. Zudem wird verdeutlicht, wie es hergestellt wurde.

Im Bereich Straßenmaschinenbau Kaelble stehen Motoren, Arbeitsmaschinen oder vollständige Straßenwalzen im Vordergrund. Aber auch Hilfsmittel werden in den Blickpunkt gerückt, die beim Entstehen der Produkte zum Einsatz kamen, beispielsweise die Drehbank.

Die Produkte der Nachrichtentechnik umfassen alle Bereiche der Nachrichtenübertragung über  Kupferkabel, Hochspannungskabel oder Glasfaser wie auch die Funkübertragung als Richtfunk, Mobilfunk  oder Satellitentechnik, letztlich alles, was in Backnang in den vergangenen 50 Jahren entwickelt und gefertigt wurde. Randprodukte wie der Rechner TR4, die Ferrittechnik, die Fernwirktechnik oder die eigens entwickelten Messgeräte zum Prüfen der Produkte zeugen von der Innovation in diesen Jahren. Aber nicht nur das Sammeln, die Restauration, Dokumentation und  Präsentation der Anlagen, Maschinen, Geräte und Produkte dieser Industriebereiche sind die Aufgaben die sich der Arbeitskreis Techniksammlung des Heimat-und Kunstvereins in Zusammenarbeit mit der Stadt Backnang gestellt hat. Vielmehr werden obendrein Bilder,  Unterlagen und Beschreibungen zusammenzutragen, die im Stadtarchiv gesammelt werden.

Auch das Handwerk als industrielle Vorstufe soll dabei nicht unbeachtet bleiben. Die Verarbeitung der Produkte wie Leder in der Schuhmacherei und Gürtlerei sowie auch die Verarbeitung der Garne sind weitere Gebiete der Techniksammlung.

So ist in den letzten Jahren ein „Heimatmuseum“ modernen Zuschnitts entstanden. "Heimatmuseum" deshalb, da die gezeigten industriellen Abläufe, Maschinen und Produkte die  Grundlage dafür waren, dass sich ein Großteil der Backnanger Bevölkerung über Jahrzehnte in diesen Bereichen seine Brötchen verdienen konnte.

Bei einem Besuch des Arbeitskreises zusammen mit dem Kulturamt der Stadt Backnang beim Museum für Arbeit und Technik in Mannheim wurde versichert, dass es nutzvoller und  zukunftsträchtiger ist, ein Technikmuseum dort zu eröffnen, wo die Exponate früher einmal ihren ursprünglichen Zweck erfüllten.

Denn wo die Arbeit verrichtet wurde, ist meist auch das Wissen um die Technik noch vorhanden.

Die Techniksammlung Backnang arbeitet eng mit dem Museum „Manfred von Ardenne", dem Backnanger Rundfunkmuseum von Gustav und Richard Burgel in der Sulzbacher Straße 166 zusammen.

 

(Quelle: Backnanger Kreiszeitung 8.1.2001,  mit freundlicher Genehmigung Verlag Fr. Stroh, Backnang)

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