Fernmeldetechnische Einsichten

Ein Blick in die Techniksammlung (VIII) - Modell eines Wähleramtes

Von Ernst W. Kaufmann Ernst W Kaufmann

hebdrehwaehler tbHebdrehwähler aus den 20er Jahren. Foto: M. Melchert Backnang - Betritt man den fernmeldetechnischen Teil der Backnanger Techniksammlung, stehen gleich links hinter der Tür einige Gestelle aus Winkeleisen mit augenscheinlich feinmechanischen Baugruppen, verbunden mit dicken Kabeln und vielen Lötstellen. Die Gestelle stammen wahrscheinlich aus einem kleinen ländlichen Telefonamt der damaligen Deutschen Bundespost und haben irgendwann zwischen den Jahren 1950 und 1955 ihr Herstellerwerk verlassen. Das geht aus Typenschildern und aus der Relaisbestückung der verschiedenen Einsätze hervor. Diese Typen waren die letzten, die noch mit so genannten Hebdrehwählern ausgestattet waren. Nach 1955 hat man bis zur Elektronisierung dann nur noch die leiser und erschütterungsfreier laufenden Edelmetall-Motor-Drehwähler verwendet. Die Gestelle wurden im Jahr 2000 von Rentnern der Technik-Gruppe aufgestellt, wo nötig überholt und zusammengeschaltet, sodass man sie zusammen mit einigen Telefonapparaten in der Techniksammlung als „Ortsamt“ vorführen kann. In der Backnanger Sammlung ist außerdem noch ein einzelner Hebdrehwähler Bauart 22 zu sehen, der als Demonstrationsmodell aufgebaut ist. Diese Amtsbauweise wurde im Jahr 1922 bei der Post eingeführt und bis 1929 in den Wählerämtern aufgebaut. Der ausgestellte Wähler ist bis 1996 in Greitz/Sachsen in Betrieb gewesen. Man kann daran zeigen, wie ein Hebdrehwähler eine Ziffer aus einer Teilnehmernummer aufnimmt, eine freie weiterführende Leitung zur nächsten Wahlstufe sucht und diese belegt, bis man den Wähler wieder „freigibt“. Dann wird er automatisch in seine Ruhestellung zurückgeführt.

(Quelle: Backnanger Kreiszeitung 24.1.2001,  mit freundlicher Genehmigung Verlag Fr. Stroh, Backnang)

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