Feindliche Störsender hatten keine Chance

Ein Blick in die Techniksammlung (XVIII) - Rarität aus vergangenen Tagen: Das AEG Messgerät

Von Heinz Wollenhaupt Heinz Wollenhaupt

Backnang - Die Techniksammlung Backnang hat von einem Fellbacher Sammler ein AEG Messgerät erhalten, das selbst alten Entwicklern der Technologiefirma an der Murr bisher unbekannt war.

Seit 1940 stellten die Technisch-Physikalischen Werkstätten der AEG einen „für allgemeine Benutzung in der Elektrotechnik entwickelten Elektronenstrahloszillographen“ her. Dieses Gerät wurde in Zusammenarbeit mit dem Reichspostzentralamt, dem Fachamt für Übertragungswesen bei der Abteilung Drahtfunktechnik modifiziert und unter der Bezeichnung A40 der Gerätebestückung eines Drahtfunkmesswagens 40 zugeordnet.

Elektronenstrahloszillograph A40 tbDas AEG-Messgerät diente zum Prüfen der Übertragung von Drahtfunktechnik: Ein Juwel in der Backnanger Techniksammlung, dessen Funktion von Ernst Wilhelm Kaufmann demonstriert wird. Foto: M. MelchertIn der Beschreibung des Gerätes wird in die grundsätzliche Wirkungsweise wie folgt eingeführt: „Der Elektronenstrahloszillograph A40 benutzt zur Sichtbarmachung elektrischer Vorgänge ein Braunsches Elektronenstrahlrohr mit Hochvakuum. Die zugehörigen Hilfsgeräte wie Kippgerät, Verstärker und Netzanschlussteil sind mit dem Braunschen Rohr zu einem tragbaren Gerät vereinigt." Auch der Hinweis "A c h t u n g ! Das Gerät ist sorgfältig zu behandeln" durfte nicht fehlen. Vermutlich haben die Messtechniker der damaligen Zeit diesen Hinweis benötigt.

Heutzutage ist das Prinzip der Drahtfunktechnik weitgehend in Vergessenheit geraten. Noch während des letzten Weltkrieges war jedoch die Übertragung von Rundfunksendungen auf Telefonleitungen ein Medium, das weit verbreitet und zudem unbeeinflusst von feindlichen Störsendern war. Auch Alarmmeldungen gingen über diesen ungestörten Drahtfunk. Die Technik wurde dann nach 1949 durch den UKW Funk, mit erheblich verbesserten Übertragungseigenschaften abgelöst. In der Schweiz und auch bei der Deutschen Bundesbahn wurde die Technik des Drahtfunks bis zu dem Beginn der 60er Jahre angewandt. Heutzutage versucht die Telekom ähnliches, indem man über das Telefonkabel breitbandige Internetanschlüsse als xDSL schaltet.

Aber zurück zu unserem "neuen" A40. Dieser hat, was heute undenkbar ist, ein Begleitheft, genannt "Betriebsstunden des Oszillograph". In dieses Heft musste nun jede Inbetriebnahme des Messgerätes mit Datum, "Art der Messungen", Oszillograph eingeschaltet - Brennstunden" "Messungen durchgeführt - Name" eingetragen werden. Der aktive Lebenslauf des Gerätes begann am 9.April 1942, als ein Herr Kaiser das Gerät in Betrieb nahm und "Prüfen des Gerätes" "2 Stunden" eintrug. Dieses Gerät war dann nach seinen Eintragungen bis Anfang 1954 in Betrieb und wurde dann noch bis zum 12.4.1954 für Unterrichtszwecke eingesetzt. Danach lagerte es wohl in den Gerätelagern der Deutschen Bundespost bis zu seiner "Privatisierung" am 6.5.1971. Es wurde dann von einem Bastler erworben, der später zum Sammler wurde und nun das Gerät der Techniksammlung schenkte.

Es ist höchst interessant, aus den noch vorhandenen Begleitunterlagen ("Beschreibung des Elektronenstrahloszillographen A40", eine Ausgabe der Zeitschrift "Telegraphen-Fernsprech-Funk und Fernseh-Technik von der Forschungsanstalt der Deutschen Reichspost mit einem Beitrag "Ein neuer Elektronenstrahloszillograph für den Drahtfunkdienst" von H.E.Eisele als Mitteilung aus dem Reichspostzentralamt, sowie das Heft "Betriebsstunden des Oszillograph") die Arbeit des damaligen Fernmeldewesens zu dokumentieren. Interessant für Techniker ist noch, dass die Messempfindlichkeit mit Verstärker 50mVeff betrug - für volle Schirmaussteuerung im nutzbaren Frequenzbereich von 30 Hz bis 1 MHz. Dafür wiegt das gute Stück immerhin 29 Kilogramm - ohne Transportkiste.

(Quelle: Backnanger Kreiszeitung 11.4.2001,  mit freundlicher Genehmigung Verlag Fr. Stroh, Backnang)

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