Zweite Veranstaltung in der Vortragsreihe zum Jubiläumsjahr "950 Jahre Backnang" im Technikforum

Von Carmen Warstat

"Ein besseres, Ambiente für diese Thematik gibt es in Backnang nicht", versicherte Stadtarchivar Bernhard Trefz Bernhard Trefz zu Beginn seines Referats über die Geschichte der Industrialisierung der Stadt. Man hatte sich im Technikforum versammelt und konnte dort sogleich praktische Eindrücke von der Entwicklung Backnangs "Von der süddeutschen Gerberstadt zum Zentrum der Nachrichtentechnik" - so der Untertitel des Vortrages - gewinnen.

BKZ 2017 06 09 tbVortragsreihe "950 Jahre Backnang": Stadtarchivar Bernhard Trefz spricht im Technikforum Backnang über die lndustriegeschichte , Foto: E. LayherMehrere Voraussetzungen der Industrialisierung arbeitete Trefz heraus: Die erste Dampfmaschine wurde 1885 von der Spinnerei "Untere Fabrik" in der späteren Fabrikstraße 45 angeschafft, und es folgten die Spinnerei Adolff sowie die Lederfabriken Gebrüder Häuser und Carl Kaess. Weitere Motoren der Industrialisierung waren die Einführung der Gewerbefreiheit in Württemberg im Jahre 1862 und die Gründung einer Gewerbebank 1864. Und schließlich erfolgte in den 1870er Jahren Backnangs Artschluss an die Eisenbahn.

"Alte Backnarrger kriegen jetzt feuchte Augen", merkte der Referent angesichts einer Aufnahme des Bahnhofs von 1877 an, und in der Tat war hier und dort ein wehmütiges Lächeln zu erkennen. Trefz zeigte eine Urkunde aus jener Zeit, und zwar den Versicherungsbrief des ersten "Lokomobils". Es hatte 8 PS, und die Versicherungssumme belief sich auf 3100 Gulden. Zahlreiche historische Fotos und Dokumente wurden eingeblendet und mit interessanten Hintergrundinformationen kommentiert.

In Backnang kristallisierten sich im Laufe der Jahrhunderte vier Leitindustrien heraus: die Leder-, Textil- und Maschinenbauindustrie sowie die Nachrichtentechnik. Trefz verknüpfte seine Ausführungen zur Geschichte der Industrialisierung Backnangs mit anschaulichen Betrachtungen zur architektonischen Entwicklung und auch mit aufschlussreichen Informationen über die Familienbande der Unternehmer.

"Was bleibt?", fragte er und resümierte, dass nur ein paar schöne Gebäude übrig geblieben sind, darunter das 'heutige Finanzamt. Und natürlich das Technikforum. Mit dem Hinweis auf die dort ausgestellten "Schätze der drei untergegangenen Industrien" schloss sich der Kreis der Ausführungen des Stadtarchivars. Auch Historisches aus der bis zum heutigen Tage aktiven Nachrichtentechnik ist dort ausgestellt. Trefz empfahl "Führungen aus berufenem Munde", denn es sind Zeitzeugen, die schon die alten Industriezweige kennengelernt haben und im Technikforum ihr Wissen weitergeben.

Schließlich zitierte der Referent einen Kollegen, der die Backnanger Industriegeschichte als eine Geschichte des Scheiteins charakterisiert hatte. Trefz schränkte ein: Erstens sei beispielsweise der Niedergang der Spinnerei überall zu verzeichnen gewesen, zweitens hätten die alten Leitindustrien uns jahrhundertelang ernährt und den Grundstein für neue Entwicklungen gelegt.

(Quelle: Backnanger Kreiszeitung vom 9.6.2017, mit freundlicher Genehmigung Verlag Fr. Stroh, Backnang)

 

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