Aus der Stadtchronik Backnang:

Meilensteine in der Geschichte der Backnanger Nachrichtentechnik

Helmut BommHelmut BommHeiner KirschmerHeiner KirschmerHier haben wir eine die Backnanger Nachrichtentechnik betreffende Auswahl von Ereignissen zusammengestellt, die Zeugnis über die wechselvolle Geschichte dieses für Backnang so wichtigen Industriezweiges ablegen. Die Texte entstammen überwiegend der Backnanger Kreiszeitung und sind von Helmut Bomm und Heiner Kirschmer als Stadtchronik erfasst und aufgezeichnet worden.

Die vollständige Stadtchronik steht hier zur Verfügung: https://www.kirschmer-backnang.de/stadtchronik/

 

1946

1. September: Der Elektrokonzern AEG (Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft), der ca. 90 Prozent seiner Betriebe im sowjetischen Sektor von Berlin bzw. in der sowjetischen Besatzungszone hat, gibt auf und eröffnet in Backnang, Gerberstraße 33 in ehem. Gerbereigebäuden der Lederfabrik Fritz Häuser AG einen Reparaturbetrieb für Kühlschränke. Am 1. November folgt eine Abteilung Fernmeldetechnik nach.

1950

Januar: Die AEG-Fernmeldetechnik konzentriert sich ganz auf Backnang. Die Zweigstellen in Memmingen und Oldenburg wurden in den letzten 12 Monaten nach Backnang verlegt. An der Etzwiesenbrücke wird eine Baracke (später Jugendzentrum) aufgestellt. Die Belegschaft ist auf ca. 600 Personen angewachsen.

April: Die Firma AEG gibt bekannt, daß der Kühlschrank-Betrieb, Gerberstraße 33, im Sommer nach Kassel verlegt wird. Die AEG-Fernmeldetechnik übernimmt einen Teil der ca. 150 Personen starken Belegschaft und die gesamte freiwerdende Mietfläche.

1954

1. Oktober: Die AEG Fernmeldetechnik Backnang wird von der Firma Telefunken, Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH, einer Tochtergesellschaft der AEG, übernommen. Die Firma erwirbt von der Stadt und von der Lederfabrik Fritz Häuser AG die ehemalige Präparandenanstalt, Gerberstraße 27/29 einschließlich Grundstück und von der Firma Fritz Häuser die Gebäude Gerberstraße 30, 31, 33, 34 und 38 mit den dazugehörigen Grundstücken sowie die Grundstücke am Ende der Eduard-Breuninger-Straße. Damit ist der Verbleib der Firma in Backnang endgültig gesichert. Die Belegschaftsstärke überschreitet im Oktober die Zahl 1000.

1955

Unter dem neuen Namen Telefunken GmbH Weitverkehr Backnang expandiert das Fernmeldetechnik-Unternehmen unaufhaltsam weiter. In der Gartenstraße werden bei der Lederfabrik Fritz Häuser AG 4500 qm Geschoßfläche angemietet. Die Präparandenanstalt wird am 30. März abgebrochen und auf diesem Gelände mit dem Bau eines sechsgeschossigen Produktionsgebäudes mit 6000 qm Nutzfläche begonnen. In Allmersbach im Tal werden auf eigenem Gelände zwei Antennenmeßtürme mit Laborbaracke errichtet und von dem von Ulm nach Backnang verlegten Fachgebiet Richtfunk im September übernommen. Die Belegschaft steigt um 40% auf 1450 Personen an. Die Kreisbaugenossenschaft Backnang errichtet in der Südstraße 10 Wohngebäude vorwiegend für Telefunken-Angehörige.

1957

14. Mai: Großbrand bei der Telefunken GmbH, Gerberstraße 33.

1958

22. November: Dr. Günter Wuckel, Generalbevollmächtigter der Telefunken GmbH, Backnang, zum Ehrendoktor der Technischen Hochschule Aachen ernannt.

1959

Bei der Telefunken GmbH Geschäftsbereich Anlagen Weitverkehr steigt die Belegschaftsstärke auf mehr als 2000 Personen an. Erstmals werden bei der Lederfabrik Louis Schweizer, Sulzbacher Straße 10, Geschoßflächen angemietet.

1961

Bau eines 8-geschossigen Neubaus der Telefunken GmbH, Geschäftsbereich Anlagen Weitverkehr und Kabeltechnik, Eduard-Breuninger-Straße 67,
Verbindungsbau über die Murr bis zur Erbstetter Straße (Baubeginn Mai 1960, Richtfest 25. November 1960).

1963

Die Telefunken GmbH stellt im Januar das 3000. Belegschaftsmitglied ein. Wegen des Arbeitskräftemangels im gewerblichen Bereich wird in Offenburg eine neue Produktionsstätte errichtet. Firmenbezeichnung ab 29. Juli Telefunken AG.

1967

Die bisherige Telefunken AG heißt ab 1. Januar Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft AEG-Telefunken Fachbereich Anlagen Weitverkehr und Kabeltechnik. Ein 1966 begonnener 6-geschossiger Büro- und Laborneubau auf dem 1963 als Erbpacht übernommenen Grundstück der Gerberei Häuser-Vogt, Gerberstrage 35 - 39, wird im Frühjahr bezogen. Am 1. März wird eine Fachgruppe Raumfahrt gegründet.

1969

AEG-Telefunken gibt den Personalstand für Backnang im Januar mit 3500 Personen an. In Offenburg sind zusätzlich 900 Personen beschäftigt. Im Frühjahr wird unterhalb der Erbstetter Straße ein Betriebsgebäude bezogen, in dem auch Teile der Fachgruppe Raumfahrt untergebracht werden. Begonnen wird nach dem Abbruch der Gebäude Gerberstraße 35 und 39 mit dem Bau eines 6geschossigen Büro- und Laborgebäudes, Gerberstraße 35 und eines zweigeschossigen Lagergebäudes, Eduard-Breuninger-Straße 67.
In Schwäbisch Hall werden Räume für Produktionsverlagerungen angemietet.

1971

AEG-Telefunken bezieht den Büro- und Laborneubau Gerberstraße 35, der auch Sitz der Geschäftsleitung wird. Die Belegschaftsstärke in Backnang einschließlich der Nebenstelle Schwäbisch Hall beträgt zum Jahresbeginn 4009 Personen.

1978

AEG-Telefunken stellt Werbefilm „Made in Backnang" vor

1980

11. März: Dr. Günter Wuckel erhält an seinem 80. Geburtstag die Bürgermedaille der Stadt verliehen. Die Ansiedlung der AEG-Fernmeldetechnik im Jahr 1946 in Backnang und die Entwicklung des Werkes zum größten Industrieunternehmen der Stadt mit ca. 3000 Arbeitskräften bei seinem Ausscheiden 1962 ist überwiegend sein Verdienst. Im Ruhestand leitete er viele Jahre den Verein Altenhilfe Backnang.

1982

1. Januar: Im Rahmen der AEG-Sanierung entsteht aus dem bisherigen Geschäftsbereich Weitverkehr und Kabeltechnik die AEG-Telefunken-Kommunikationstechnik GmbH (ATN) mit Sitz in Backnang. Gesellschafter sind AEG-Telefunken AG 51%, Robert Bosch GmbH und Mannesmann AG je 20% und Allianz-Versicherungs-AG 9%.

1983

Oktober/November: ANT bezieht einen Büro- und Labor-Neubau in der Eduard-Breuninger-Straße (am Kalten Wasser). In der Gerberstraße 57 wird an Stelle des ehemaligen Gebäudes der Firma Hodum ein Raumfahrtgebäude und in Allmersbach im Tal ein Antennenmeßgebäude errichtet.

1983

Bedeutende Änderung beim größten Industriebetrieb der Stadt: AEG Telefunken Nachrichtentechnik GmbH (ATN) scheidet am 1. Januar 1983 aus dem Firmenverbund der AEG aus. Gesellschafter sind nun zu je 42,5% die Robert Bosch GmbH und die Mannesmann AG sowie zu 15 % die Allianz Versicherungs AG. Ab 12. April erhält die Firma den Namen ANT Nachrichtentechnik GmbH. Firmensitz ist Backnang. Die Firma erzielte 1982 einen Umsatz von rund 800 Mio. DM und beschäftigt in ihren Werken Backnang, Offenburg, Schwäbisch Hall und Wolfenbüttel ca. 5500 Mitarbeiter, davon 3750 in Backnang.

1984

31. Oktober: Eröffnung des Fertigungsgebäudes für Satellitentechnik der ANT Nachrichtentechnik, Gerberstraße 57 in Anwesenheit von Bundespostminister Dr. Schwarz-Schilling. Investitionsvolumen 20 Mio. DM. (Grundsteinlegung Oktober 1983, Richtfest März 1984).

1985

September: ANT Nachrichtentechnik gründet Tochtergesellschaft, ANT Telekommunications-Inc. in Gaithersburg/USA.

1986

20. März: Der schwedische König Carl XVI. Gustav besucht mit einer Delegation der Schwedischen Akademie der Ingenieurwissenschaften die ANT Nachrichtentechnik in Backnang.

1987

16. Mai: ANT gründet Tochtergesellschaft ANT Telecommunications Ltd. in Slough/Großbritannien.

1988

1. Januar: Die Robert Bosch GmbH, Stuttgart, bisher mit 40,8% an der ANT Nachrichtentechnik GmbH Backnang beteiligt, übernimmt den bisher von der Mannesmann AG gehaltenen Anteil von 40,8% und wird damit Mehrheitseigner; die restlichen Anteile hält unverändert die Allianz AG.

1989

12. Oktober: Dr. phil. Dr. Ing. e. h. Günter Wuckel (89) gestorben. Der ehemalige Generalbevollmächtigte von AEG-Telefunken erhielt für die Ansiedlung des Werks 1946 in Backnang und für den Ausbau des Werks bis zu seinem Ausscheiden 1962 sowie seine weiteren Verdienste um Backnang im Jahr 1980 die Bürgermedaille der Stadt.

1989

9. Juni. ANT Nachrichtentechnik weiht neues Gebäude für Schulungs-, Konferenz- und Ausstellungszwecke mit Video-Konferenzstudio in der Gerberstraße ein. Baukosten 7,4 Mio. Mark.

1990

15. Januar: ANT Backnang schließt Kooperationsabkommen mit dem DDR-Kombinat Robotron Elektronik Radeberg im Bezirk Dresden.

19. Oktober: Beim Richtfest am 50-Mio.-Mark-Projekt des ANT-Entwicklungsgebäudes in der Gerberstraße versichert Firmenchef Dr. Michael Schwarzer, daß das Unternehmen den Standort Backnang weiter als High-Tech-Zentrum ausbauen will.

1991

1. Januar: Die ANT Nachrichtentechnik Radeberg bei Dresden, eine im Dezember 1990 gegründete Tochtergesellschaft der ANT Nachrichtentechnik Backnang, hat von der Robotron Telecom Radeberg den Betriebsteil Richtfunk und Datentechnik erworben.

1992

27. Juni: Der Geschäftsbereich Öffentliche Kommunikationstechnik von Bosch Telecom konnte 1991 seinen Umsatz um 13 Prozent auf 1967 Millionen Mark steigern. Die ANT Nachrichtentechnik Backnang trug mit 1485 Millionen Mark Umsatz (plus 14%) den größten Anteil dazu bei. Diese gute Nachricht wird überschattet von der Ankündigung, daß 270 Backnanger Arbeitsplätze verlagert oder eingespart werden sollen.
8. Oktober: Die ANT Nachrichtentechnik hat rund 60 Millionen Mark aufgewandt, um in Backnang, Gerberstraße, ein Entwicklungszentrum zu errichten. Hier sollen künftige Technologien für moderne Kommunikationssysteme erforscht und entwickelt werden.

1993

21. Oktober: Die ANT Nachrichtentechnik will zum Jahresende ihr Werk in Schwäbisch Hall schließen. Betroffen sind rund 400 Beschäftigte, die teilweise von anderen ANT-Standorten übernommen beziehungsweise in den Vorruhestand gehen sollen. Die bisherige Haller Fertigung soll nach Offenburg und Radeberg (Sachsen) verlagert werden. Begründet wird die Entscheidung mit dem dramatischen Preisverfall in der Telekommunikationstechnik.

1994

1. Juli: Der Bosch-Konzern strukturiert seinen Unternehmensbereich Kommunikationstechnik grundlegend um. Verbunden damit ist ein neues durchgängiges Markenzeichen „Bosch". Für ins Ausland gehende Produkte gibt es den Markennamen „ANT" nicht mehr, lediglich im Inland tragen die ANT-Produkte übergangsweise den Namen „Bosch ANT Telekom".

1996

18. November: Die Bosch Telecom GmbH hat ihre Aktivitäten auf dem Gebiet Dienstleistung für die Satellitenkommunikation verkauft. Erwerberin ist eine deutsche Tochtergesellschaft der zum amerikanischen Unternehmen General Electric Company gehörenden GE Capital Spacenet Services. Der Vertrag sieht vor, daß der Geschäftsbetrieb am Standort Backnang fortgeführt wird. Die Produktabteilung in Backnang beschäftigt 43 Mitarbeiter.
27. November: Wie der Standortverantwortliche der Bosch Telecom GmbH in Backnang, Andreas Nobis, vor der Presse mitteilte, arbeiteten bei der einstigen ANT, die 1995 in der Bosch Telecom GmbH aufging, über 4 000 Menschen. Der Preisverfall habe zu dem dramatischen Abbau auf bis zu 2 230 Beschäftigten geführt. Am Standort Backnang soll die Mitarbeiterzahl bis Ende nächsten Jahres auf 2 500 steigen. Die Bosch Telecom GmbH peile bis 1999 eine über 20prozentige Umsatzsteigerung an. Grund für den Optimismus seien neue Produkte, denen auf dem Weltmarkt gute Chancen eingeräumt werden. Als „ertragreich" beschrieben wird von Nobis auch das Geschäftsfeld Raumfahrttechnik mit seinen 500 Mitarbeitern.

1998

24. Juni: Die Bosch Telecom GmbH gründet eine Tochtergesellschaft zur Vermarktung ihres Produkts Netzmanagement-Systeme. Die neue Gesellschaft mit zunächst 90 Mitarbeitern hat ihren Sitz in Backnang und firmiert unter Bosch Telecom Software Systeme.
28. August: Mit einem Neubau im Firmenareal Gerberstraße will die Firma Bosch die Fertigung für Satellitengeräte und -systeme erweitern. Die Fertigung im Produktbereich Raumfahrttechnik ist nicht nur im Gebäude Ecke Gerber- und Etzwiesenstraße untergebracht, sondern auch an mehreren anderen Stellen. Diese verteilten Aktivitäten werden nun im Neubau zusammengefaßt.

1999

25.November. Die Bosch-Tochter Telecom GmbH verkauft ihren Produktionsbereich Öffentliche Netze (ON) an das britische Unternehmen Marconi für rund 300 Millionen Mark. Im Bosch-Produktbereich ON sind in Deutschland, vor allem in Backnang und Offenburg 3700 Mitarbeiter tätig. Der Umsatz von 1,2 Milliarden Mark wird vor allem in Deutschland erzielt. Es ist eine Personalreduzierung in Entwicklung, Verwaltung und Betrieb von rund 300 Mitarbeitern bis Ende 2001 vorgesehen. Die Raumfahrtaktivitäten in Backnang sollen in eine selbstständige GmbH eingebracht werden, die eine 100prozentige Tochter von Bosch Telecom sein wird. Die Übernahme des Bereichs Öffentliche Netze an Marconi erfolgt zum 1. Februar 2000.

2000

1. Februar: Ein bedeutender Tag für Backnang: Am 1. Februar übernimmt der Weltkonzern Marconi, der seine Wurzeln in der Partnerstadt Chelmsford hat, den Bereich Öffentliche Netze von Bosch. Backnang ist nun Stammsitz der Firma Marconi in Deutschland. Optimismus ist Trumpf, als sich die Führungsspitze der Öffentlichkeit vorstellt. Für den Standort Backnang bedeute dieser Tag den „Sprung in die Bundesliga" formuliert Deutschland-Geschäftsführer Jürgen Beer. Marconi sucht dringend nach neuen Kräften. Die nach wie vor in Backnang ansässige Raumfahrtsparte von Bosch mausert sich zu einem neuen Unternehmen. Am 1. September wird die Bosch SatCom GmbH als Tochter der Bosch Telecom GmbH offiziell gegründet.

 

MarconiVor dem neuen Firmenlogo in der Gerberstraße 33 (von links): Jürgen Beer, Geschäftsführer der deutschen Marconi Communication GmbH, Peter Brown, Präsident von Marconi für Europa, den Nahen Osten und Afrika, Oberbürgermeister Jürgen Schmidt, und Chief Executive Martin Easteal, Chelmsford.

 

2001

17. Juli: Die Bosch SatCom GmbH Backnang unterzeichnet einen Vertrag zur Übernahme des Werks durch die Astrium GmbH München. Arbeitsplätze sollen durch die Übernahme nicht gefährdet sein. Astrium, eines der führenden Unternehmen für Satellitentechnik in Europa ist ein Gemeinschaftsunternehmen von EADS und BAE Systems. Erst vor elf Wochen war der Neubau des Bosch-SatCom-Firmengebäudes in der Gerberstraße offiziell eingeweiht worden.
1. Dezember: Die Ära Bosch endet in Backnang. Die Astrium GmbH ist neuer Eigentümer der seitherigen Bosch SatCom GmbH. Das Unternehmen, in dem die Raumfahrtaktivitäten von Bosch gebündelt waren, firmiert jetzt mit dem neuen Namen Tesat-Spacecom GmbH & Co KG.
15. Dezember: Die Marconi Communications Software Systems GmbH & Co KG nimmt weitere Büro- und Laborräume in der Blumenstraße 22-24 in Betrieb. Mindestens 30 weitere Mitarbeiter sollen in naher Zukunft eingestellt werden.

2002

8. Juni: Mit der Gründung der Marconi-Tochtergesellschaft Marconi Communications ONDATA GmbH hat das Backnanger Unternehmen einen wichtigen Schritt zur Festigung des Standortes als Kompetenzzentrum für Optische Übertragungstechnik vollzogen. Ein internationales Team von Entwicklungsingenieuren ist im Südtor eingezogen. Das junge Unternehmen hat die Aufgabe, einen intelligenten Netzknoten der nächsten Generation zu entwickeln, der in künftigen Nachrichtennetzen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit eine herausragende Stellung einnehmen wird.
7. August: Marconi hat seinen Geschäftsbereich Strategische Kommunikation für rund 614 Millionen Euro an das italienische Unternehmen Finmeccania verkauft. In diesem Geschäftsbereich sind in Backnang etwa 50 Mitarbeiter beschäftigt. In Chelmsford hat Marconi den Unternehmensbereich Applied Technologies (MTech) für 57 Millionen Pfund an eine französische Firma verkauft. Für die Kunden und Mitarbeiter bedeutet das Stabilität und langfristig gesehen Wachstum.

2003

4. Januar: Dem Rettungsplan von Marconi stimmen in London die Gläubigerbanken zu. Sie erlassen Marconi Schulden in Höhe von mehr als sechs Milliarden Euro, übernehmen im Gegenzug 99,5 Prozent der Anteile an dem Unternehmen und zahlen den Kreditgebern 260 Millionen englische Pfund in bar aus. Mit dieser Umschuldung wird Marconi vor der Zahlungsunfähigkeit gerettet.

2005

25. Oktober: Marconi wird verkauft. Der schwedische Telekomriese Ericsson wird das Ausrüstungsgeschäft und Teile der Services für einen Kaufpreis von 1,2 Milliarden Euro übernehmen. Was die neue Entwicklung mittelfristig für den Standort Backnang bedeutet, ist noch vollkommen unklar.

2006

25. Januar: Ericsson hat die Marconi-Übernahme jetzt abgeschlossen. Wesentliche Bereiche des Telekommunikationsgeschäfts einschließlich des Marconi-Standorts Backnang sind damit in die Hände des schwedischen Technologie-Konzerns übergegangen. Die Akquisition, die auch den Backnanger Betrieb miteinschließt, tritt rückwirkend zum 1. Januar in Kraft. Sitz der deutschen Ericsson GmbH, die bislang 1600 Mitarbeiter zählte, ist Düsseldorf. Der Deal hat den weltgrößten Netzwerkausrüster knapp 1,8 Milliarden Euro gekostet.
2. Februar: Die telent GmbH und Ericsson schließen zwei Verträge über die künftige Zusammenarbeit. telent ist aus dem Produktbereich Integrated Systems von Marconi hervorgegangen und beschäftigt an ihrem Hauptsitz in Backnang etwa 80 Mitarbeiter. Das Unternehmen realisiert und betreut Kommunikationsnetze für Behörden und Ministerien. So ist telent beispielsweise für die Infrastruktur des Mauterfassungssystems Toll Collect zuständig. Die geschlossenen Verträge regeln die gegenseitige Lieferung von Geräten und Produkten.

26. April: Das Backnanger Raumfahrtunternehmen Tesat-Spacecom wird schon zum zweiten Mal in Folge als einziges nicht-amerikanisches Unternehmen von der Northrop Grumman Corporation als Gold-Lieferant ausgezeichnet. Tesat-Spacecom verzeichnete im Jahr 2005 einen Umsatz von 117 Millionen Euro und beschäftigt rund 700 Mitarbeiter in Backnang. Mit Leistungsverstärkern und weiteren Satellitengeräten hält Tesat Weltmarktanteile von bis zu 50%.

2007

6. Juli: Die Telent GmbH mit Hauptsitz in Backnang hat für rund 23 Millionen Euro ein umfangreiches Immobilienpaket im Bereich der Gerberstraße an den britischen Immobilieninvestor Kenmore verkauft und ist in Zukunft nur noch Mieter. Das deutsche Tochterunternehmen der in Großbritannien börsennotierten Telent plc. wurde bei der Übernahme von Marconi durch Ericsson gegründet und beschäftigt bundesweit momentan rund 200 Mitarbeiter mit steigender Tendenz.

2010

11. Januar: Die Tesat-Spacecom GmbH & Co. KG. geht mit Optimismus ins neue Jahr. Peter Schlote, der neue Sprecher der Geschäftsführung, gibt auf einer Pressekonferenz bekannt, dass die Mitarbeiterzahl im Jahr 2009 auf die Rekordgröße von 950 angewachsen ist. Bei einem Umsatz von 150 Mio EUR, konnte der Auftragsbestand auf 216 Mio EUR erhöht werden.

30. Juni: Geschäftsführung und Betriebsrat der Tesat-Spacecom können den 1000. Mitarbeiter in dem Backnanger Raumfahrttechnologie-Unternehmen begrüßen. In einer Pressemitteilung des Unternehmens heißt es: „Damit wurde das zum Jahresbeginn gesteckte Personalziel erfüllt und der Trend sieht weitere neue Einstellungen vor.“

2011

31. März: Mit einem Fest für seine gut 1150 Mitarbeiter eröffnet Tesat Spacecom sein neues Fertigungsgebäude für passive Komponenten. Passive Komponenten sind Bauelemente, die keine Verstärkerwirkung zeigen und keine Steuerungsfunktion besitzen (beispielsweise Kondensatoren oder Schalter). 8 Millionen Euro hat das Unternehmen in das neue Fertigungsgebäude investiert.

7. Juni: Die Euromicron AG, ein Komplettlösungsanbieter für Kommunikations-, Daten- und Sicherheitsnetzwerke, übernimmt den Geschäftsbetrieb der Telent GmbH Deutschland. Telent, der Technologiedienstleister für Kommunikationsnetze, hat rund 400 Mitarbeiter und wird unter gleicher Leitung weitergeführt.

2012

27. Februar: In den Räumen des Raumfahrtunternehmens Tesat-Spacecom werden das 10-jährige Bestehen des Unternehmens und gleichzeitig auch 50 Jahre Raumfahrt in Backnang gefeiert. Die Tesat-Spacecom hat gegenwärtig rund 1200 Mitarbeiter Backnang und ist damit der größte Raumfahrtstandort in Deutschland.

2014

10. Mai: Die Firma Tesat-Spacecom fertigt ihren 10000. Wanderfeldröhrenverstärker. Das gute Stück kommt jedoch nicht ins All, sondern wird – in der hauseigenen Galvanik-Abteilung vergoldet – als Vorzeigestück in Backnang aufbewahrt.

2017

6. Mai: Die Tesat-Spacecom muss einen Auftragseinbruch verkraften. Grund hierfür ist der Rückgang der Zahl der Satellitenstarts weltweit. 170 Mitarbeiter gehen in Kurzarbeit. Bis Jahresende soll es jedoch keine Kündigungen geben.

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