Verzeichnis der Veranstaltungen

Manfred von Ardenne, Ein Leben für Wissenschaft und Technik
Referent: Dr. Ing. Thomas von Ardenne, Dresden
Datum: Freitag, 2. Oktober 2009
Ort: Bürgerhaus Backnang, Fritz-Schweizer-Saal
 

In Ardennes Schatten Sonne gefunden

Einblick in Leben und Schaffen des Rundfunkpioniers

„Bei einem solchen Vater muss man aufpassen, dass man nicht in dessen Schatten vertrocknet“, sagte Dr.Thomas von Ardenne zum Abschluss seines Vortrags über das Leben und Wirken von Manfred von Ardenne im Backnanger Bürgerhaus. Er und sein Bruder hätten jedoch „die Sonne gesucht – und gefunden“. Heute beschichten sie in ihrem Unternehmen wärme- und strahlreflektierende Scheiben, die in der Fotovoltaik eingesetzt werden. Die Technik zur Beschichtung geht auf Forschungen ihres Vaters zurück. Er hat in Dresden Anfang der Siebzigerjahre die Elektronenstrahlkanone erfunden, damals vor allem zur Schmelzreinigung von Metallen.

Vortrag ArdenneDr. Thomas von ArdenneThomas von Ardenne kann bei der Veranstaltung auf Einladung des Fördervereins Technikmuseum von einem ungewöhnlichen Leben seines Vaters berichten. 1907 geboren, begann er schon als Kind zu Hause zu basteln. „Nach und nach annektierte er zwei Räume in der elterlichen Wohnung“, erzählte sein Sohn. Der Junge baute sich dort zunächst ein Fernrohr. Nachdem er auf einer Reise zum ersten Mal ein Radio gehört hatte, war er von dieser Technik fasziniert. Bereits mit 16 Jahren meldete der junge Entdecker sein erstes Patent an.

Trotz seines großen Wissens im Bereich der Physik und Mathematik war Manfred von Ardenne jedoch kein guter Schüler, er blieb sogar einmal sitzen. Ohne Abitur studierte er später vier Semester an der TU in Berlin, ohne das Studium abzuschließen. Mehr als akademische Grade interessierte ihn „die Praxis“, so sein Sohn. Er tüftelte immer im Hinblick darauf, wie sich seine Ideen praktisch umsetzen ließen. Schon 1926 – von Ardenne war gerade einmal 19 Jahre alt – baute die Firma Loewe den Loewe-Ortsempfänger mit einer Dreifachröhre, die er entwickelt hatte. Mit der Dreifachröhre konnten die Ströme im Gerät besser gesteuert und die verschiedenen Sender besser voneinander getrennt werden.

Nächstes Projekt war das Fernsehen. Auch da waren seine Entwicklungen wegweisend: 1931 konnte er auf der Berliner Funkausstellung zum ersten Mal in Europa das vollelektronische Fernsehen vorstellen. Die Premiere wäre allerdings fast ins Wasser gefallen, wie Thomas von Ardenne berichtete. Am Abend vor der Messe platzte nämlich der Kolben des neu entwickelten Fernsehgeräts. Ein enger Mitarbeiter Manfred von Ardennes blies noch in der Nacht einen neuen Kolben und baute die Elektronik ein, sodass am nächsten Tag der Fernseher ohne Probleme funktionierte und von der Presse weltweit bejubelt werden konnte. Die New York Times berichtete damals über das Ereignis auf der ersten Seite.

Dann nahm sich von Ardenne das Elektronenmikroskop vor, aus dem er 1939 das Elektronenraster-Mikroskop entwickelte. Mit dessen Strahl konnten durchscheinende Objekte, aber zum ersten Mal auch Metalloberflächen und organische Objekte mikroskopiert werden, ohne sie zu zerstören. Von Ardenne forschte nach wie vor von zu Hause aus, wenngleich sein Labor mittlerweile erheblich größere Ausmaße einnahm als die Bastelzimmer seiner Kindheit. Sein Lichterfelder Wohnhaus bestand zu drei Vierteln aus seinem Labor, nur ein Viertel verblieb der Familie als Wohnung.

Das Labor im Ostteil von Berlin wurde nach Kriegsende von russischen Soldaten abgebaut und komplett in die Sowjetunion überführt. Manfred von Ardenne selbst wurde zu Gesprächen nach Moskau gebeten. Er sollte an der Entwicklung der russischen Atombombe mitwirken. Von Ardenne hat dies abgelehnt, im Gegenzug aber angeboten, am Problem der Isotopen-Forschung zu arbeiten. Die russische Regierung stimmte seinem Vorschlag zu, denn auch die Isotopentrennung, also die Trennung von Uran 235 von Uran 238, war im nationalen Interesse. Von 1945 bis 1955 forschte er nun am Institut für Isotopentrennung bei Suchumi in Abchasien. Auch die Familie kam in dieser Zeit nach Russland. Etwa 150 Mitarbeiter mit ihren Familien lebten damals an dem Institut. Ihre Aufgabe war es, die effektivste Methode zur Isotopentrennung festzustellen. 1953 war die Aufgabe gelöst: Das Zentrifugenverfahren hatte sich als bester Weg erwiesen. Die Forscher und ihre Familien mussten nun noch zwei Jahre in „Quarantäne“. Während dieser Zeit mussten sie sich mit vollständig anderen Dingen beschäftigen, damit sie ihr – streng geheimes – Wissen nicht ins Ausland verraten konnten.

1955 konnte die Familie von Ardenne dann nach Deutschland zurückkehren. Mit Preisgeldern, die er in Moskau für seine Forschung erhalten hatte, errichtete er in Dresden ein Privatinstitut. Dort wurde die Elektronenstrahlkanone entwickelt, aber auch Herz-Lungen-Maschinen für die gesamte DDR produziert. Von Ardenne forschte und entwickelte ununterbrochen weiter, auch noch im hohen Alter. Noch zwei Wochen vor seinem Tod 1997 entwickelte er zwei neue Patente.

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