Verzeichnis der Veranstaltungen

Europäische Mautsysteme - Wie finanziert man heute den Straßenbau?
Referent: Dr. Ing. Reinhard Enge, Backnang
Datum: Samstag, 17. Dezember 2011
Ort: Bürgerhaus Backnang, Fritz-Schweizer-Saal
 

Mautsysteme in Europa

Dr. Ing. Reinhard EngeDr. Ing. Reinhard EngeDr. Reinhard Enge schilderte beim Förderverein Technikmuseum die komplexe Welt der Mautsysteme

Das hatten die zahlreichen Zuhörer so nicht erwartet: es gibt in Europa mit Ausnahme von nur vier Ländern eine flächendeckende Anordnung von Mautsystemen. Dabei gehört Deutschland noch zu den wenigen Staaten, die keine PKW-Maut erheben.

Backnang   (pm). Das politische Für und Wider von Mautgebühren war natürlich nicht Gegenstand des umfassenden Vortrags, obschon bereits im Altertum das Eintreiben von Benutzungsgebühren für Brücken, Bergpässen und Fähren gang und gäbe war. Die Verlockung, auch heute auf sehr elegante Weise Wegezoll einzunehmen, ist groß.
Der Weg zur vollautomatischen Erfassung fahrender Fahrzeuge war lang und steinig. Jeder Tourist erinnert sich noch an die gewaltigen Mautstationen südeuropäischer Autobahnen, an denen von Personal Bargeld kassiert wurde. Es war offenkundig, dass dieses Verfahren nicht nur für den Verkehrsfluss ineffektiv war. Im Laufe der Jahre setzten sich neben reinen Vignettenlösungen elektronische Erfassungssysteme durch. Hierbei wurden alle denkbaren Verfahren wie Induktionsschleifen in den Straßen, Infrarot- oder Ultraschallerfassung und Mikrowellentechnik erprobt, verworfen oder weitergeführt. Letztlich blieb die Mikrowellentechnik zunächst das Mittel der Wahl.


MautsystemeTrotz dieser gemeinsamen Erkenntnis der betreffenden Länder, kam es nie zu einem abgestimmten Vorgehen wie etwa beim Mobilfunk, der problemlos auch grenzüberschreitend genutzt werden kann. Die sonst so regulierungsfreudigen EU-Behörden sind erst relativ spät auf den Zug der Normierung aufgesprungen. Die Zwänge eines grenzüberschreitenden Lastverkehrs führten bisher nur zu bilateralen Abkommen benachbarter Länder. Die Route von Norwegen nach Italien, ausgerüstet mit einheitlicher oder kompatibler Technik, bleibt eine ferne Vision.


Heute besteht ein modernes Mautkonzept wie das deutsche LKW Tollcollect-System, im allgemeinen aus drei Komponenten: einem Mikrowellensystem zur Erfassung des Fahrzeugstyps durch Kommunikation mit einer im Auto befindlichen Box, einem Videosystem zur Erfassung des Nummernschildes und einer Kommunikationseinheit, die einerseits per Satellitennavigation eine genaue Standortbestimmung ermöglicht und andererseits per Mobilfunk die Verbindung zum Zentralrechner des Mautbetreibers hält. Die auf bundesdeutschen Autobahnen unübersehbaren Mautbrücken dienen nur zur Kontrolle und ggfs. Erfassung von Fahrzeugen, deren Mautbezahlung unklar ist. Die eigentliche Erfassung der Maut geschieht unsichtbar per GPS-Ortung und Mobilfunkkommunikation zwischen Fahrzeug-Box und Mautbetreiber. Hierbei ist sozusagen zwischen allen Autobahnabfahrten eine virtuelle Zahlstelle eingerichtet, die punktgenaue Abrechnung erlaubt. Enge wies auch auf interessante Erweiterungsmöglichkeiten moderner Mauttechnik hin. Parkraummanagement, Staureduktion, Unfallvermeidung, Umweltschutz sind neben der reinen Straßenfinanzierung weitere zukunftsträchtige Einsatzgebiete.

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