Verzeichnis der Veranstaltungen

Die Geschichte des Weinbaus
Referent: Prof. Dr. habil. Armin Gemmrich, Hochschule Heilbronn
Datum: Mittwoch, 2. Februar 2011
Ort: Bürgerhaus Backnang, Fritz-Schweizer-Saal
 

Prof. Dr. Armin GemmrichProf. Dr. Armin GemmrichWo Kultur ist, braucht man auch Wein

Als Geschichte „ohne Ende“ bezeichnete Professor Dr. Armin Gemmrich zu Recht die 7000 Jahre währende spannende Historie des Weinbaus.

Anschaulich und spannend sowie mit einer kräftigen Portion Humor gewürzt brachte der nicht umsonst als "Guru des Weinbaus" angekündigte Referent den Zuhörern die umfangreiche Geschichte des trinkbaren Kulturguts näher. Das von Gemmrich zitierte „ohne Ende“ der Historie bezog sich dabei sowohl auf die im Dunkeln liegende Entstehung wie auch die in den Sternen stehende Zukunft des Weinbaus.

Von der Sonne verwöhnt: Trauben kurz vor der Lese.

Ursprünglich war die nur in klimatisch geeigneten Regionen vorkommende Rebe im Bereich zwischen dem Schwarzen und Raspischen Meer beheimatet. Sie wurde den Ausführungen des Hoch-Schulprofessors zufolge von Menschen zunächst nur zur Saftgewinnung verwendet. Wohl in Persien stellte man dann fest, dass Sklaven, denen man das verdorbene Getränk verabreicht hatte, wider Erwarten nicht darunter litten, sondern eher lustig wurden. Nun auch von anderen probiert, breitete sich das Genussmittel daraufhin schnell aus. „Wo Kultur ist braucht man Wein“ , zeigte sich der Referent überzeugt. Zumal Wein bereits in den ältesten Kulturregionen wie Mesopotamien und Assyrien nachgewiesen sei. Georgien benannte Gemmrich indes als Wiege des Weinbaus, wobei er das dort wie seit 5000 Jahren in Tonkrügen hergestellte Getränk als sehr bekömmlich und gesund charakterisierte. Zudem habe sich in diesem Land eine ganz eigene Sortenwelt erhalten.

Im Altertum hielt das Wort für Wein bereits in allen Sprachen Einzug, dadurch ist der Anbau auch gut nachzuweisen. Allein in 120 Bibelstellen wird Wein genannt, wusste der Professor für Weinbetriebswirtschaft an der Hochschule Heilbronn zu berichten. An der bereits auf ägyptischen Darstellungen so überlieferten Herstellungsweise habe sich zudem bis heute eigentlich nicht viel geändert, unterstrich der Referent weiter. Ebenso an der Wirkung nicht, wie er ebenfalls durch bildliche Zeugnisse des Altertums belegen konnte ...

Auf etwa 3000 Jahre zurückliegend datierte Gemmrich die Einführung des Rebschnitts. Die Rebe selbst habe ihre Wanderschaft über Griechenland, wo schon ab etwa 2000 vor Christus deren Heilwirkung erkannt wurde, auch in andere Regionen angetreten. Etwa 1000 Jahre später schon im römischen Kulturbereich beheimatet, gelangte der Weinbau über Spanien schließlich um die Zeitenwende bis in unsere Gefilde. „Wein ist Leben“, stellten nach Gemmrichs Worten schon die Römer fest, aus deren Sprache erstaunlich viele Worte in diesem Zusammenhang von uns übernommen wurden. Selbst der in Württemberg noch gebräuchliche Eimer als Maßeinheit leite sich vom römischen Hohlmaß Amphora ab. Von Europa gelangte der Weinbau 1540 nach Südamerika, 1650 nach Südafrika und Mitte des 18. Jahrhunderts nach Nordamerika sowie Australien. Seit 1819 ist er auch in Neuseeland beheimatet. 8000 verschiedene Rebsorten gebe es inzwischen, erläuterte der Sohn eines Beilsteiner Weingärtners.

In Deutschland wurde der Weinbau von den Römern zuerst an Mosel, Ahr und Neckar betrieben. Wurden um 1500 etwa 300000 Hektar bewirtschaftet, schrumpfte dieser Wert durch Klimaverschlechterung und alternative Getränke bis 1850 auf die Hälfte zusammen. Aus Amerika eingeschleppte Schädlinge und Krankheiten wie Reblaus oder Mehltau sorgten danach nochmals um eine deutliche Verringerung. Von nur noch 50000 Hektar im Jahr 1950 sei die Weinanbaufläche inzwischen aber wieder auf das Doppelte angewachsen.

Gemmrich, dessen Vater bereits 1934 einen „Katechismus des Weinbaus“ verfasste, schwang den Bogen seiner Ausführungen bis in die neueste Zeit. Er benannte Vor- und Nachteile der Flurbereinigungen. Heute seien die bis in die 80er-Jahre zu verzeichnenden Ertragsschwankungen durch verbesserte Düngung, Sortenqualität und Know-how nahezu überwunden. Auch der Klimawandel bringe dem Weinbau der sich nach Norden ausbreiten werde, eher Vorteile. „Vom Arsen bis zur Resistenzzüchtung“ überschrieb Gemmrich seinen Part über die Geschichte der Schädlinge und des Pflanzenschutzes. „Die Wengerter lebten früher sehr gefährlich“, betonte der Referent, was er mit Bildmaterial vorsintflutlich anmutender Verfahrensweisen unterstrich. Moderne Technik und optimierte Spritzgerate sorgten aber auch hier für Abhilfe. Begeistert zeigte sich der Experte gar von der Verwirrmethode mit Duftstoffen zur absolut umweltfreundlichen Bekämpfung des Traubenwicklers.

„Das ist die Zukunft“, so Gemmrich, der seinen spannenden Vortrag mit Beispielen eines modernen und nachhaltigen Weinbaus beendete.

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