Verzeichnis der Veranstaltungen

Historie der Schmerzausschaltung in der Zahnmedizin
Referent: Dr. med. dent. Frank Kehrer, Backnang
Datum: Mittwoch, 6. April 2011
Ort: Bürgerhaus Backnang, Fritz-Schweizer-Saal
 

Von Zahnreißern und Badern

Frank KehrerFrank KehrerDr. Frank Kehrer zeigte die Entwicklung der Schmerzverhinderung von der Antike bis heute

In ferner Vergangenheit brauchten Patienten gute Nerven, ein ausgeprägtes Leidensbewusstsein und meist auch einen starken Glauben an Übernatürliches. Heute haben wir mit moderner Narkosetechnik geradezu paradiesische Verhältnisse.

Beim zweiten Vortrag des Jahres zur Reihe Technikgeschichte des Fördervereins Technikmuseum Backnang e.V. führte Dr. Kehrer mit einem sehr unterhaltsamen Vortrag zur Entwicklung der Schmerzverhinderung seine Zuhörer durch die zuweilen recht grausame Geschichte der Zahnmedizin. Unsere Vorfahren ertrugen die schlimmsten Schmerzen, wenn auch nicht klaglos, so doch mit großer Duldsamkeit. Funde aus historischen Zeiten belegen frühe chirurgische und zahnärztliche Aktivitäten.

ZahnreisserDie Ärzte des Mittelalters behandelten interessanterweise nur Krankheiten. Operationen waren verpönt, unter ihrer Würde und im übrigen durch Edikte der Kirche verboten. Dieses Handwerk überließ man den Badern, Steinschneidern und Wundschergen. Kriege mit schlimmen Verstümmelungen der Soldaten, durch Unfälle verursachte Verletzungen, das Entfernen von Steinen in Organen, alles war mit großen Schmerzen verbunden. Wundbrand führte zu Amputationen, bei denen allenfalls Alkohol als Betäubungsmittel eingesetzt wurde. Mittel zur Schmerzunterdrückung waren praktisch nicht vorhanden.

Noch um 1840 bezeichnete ein namhafter Experte die vollständige Schmerzausschaltung als Schimäre. Es dauerte zum Glück nicht lange, bis ein Zahnarzt mittels Lachgas den ersten Zahn schmerzfrei extrahierte und die Schwarzseher widerlegte. Dann ging es Schlag auf Schlag. Morphium entpuppte sich als wirksames Mittel für die Verletzten der Kriege des 19. Jahrhunderts, führte allerdings durch zu üppigem Einsatz zu Abhängigkeit und Sucht. Ab 1853 wurden dann Äther und Chloroform als wirksame Anästhetika eingesetzt. Dass diese nicht nebenwirkungsfrei waren, gehörte noch zum ganz persönlichen Erlebnis der meisten Zuhörer. In unserer Zeit sind ausgefeilte Verfahren der Lokal- und Regionalanästhesie tägliche Praxis aller operierenden Ärzte. Der heutige Beruf des Anästhesisten zeigt die Bedeutung für den Patienten und den technischen Fortschritt zugleich.

Dr. Kehrer konnte mit seinem Vortrag Schaudern und Lachen auslösen. Eines hat er sicher geschafft: ihrem nächsten Zahnarztbesuch sehen seine Zuhörer entspannt entgegen.

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