Verzeichnis der Veranstaltungen

Die Geschichte der Navigation - Vom Sextanten zur Satellitenortung
Referent: Dr. Ing. Gerhard Ohm, Backnang
Datum: Mittwoch, 1. Februar 2012
Ort: Bürgerhaus Backnang, Fritz-Schweizer-Saal
 

Geschichte der Navigation

Dr. Gerhard OhmDr. Gerhard OhmWeltumsegler Dr. Gerhard Ohm erklärte beim Förderverein Technikmuseum die faszinierende Welt der Navigation

„Wo bin ich und wie komme ich sicher ans Ziel?“ das ist die alles entscheidende Frage der Navigation. Was einst ein schier unlösbares Problem war, beantwortet heute jedes Fahrzeugnavi mit Leichtigkeit und höchster Präzision.

In grauer Vorzeit hieß Navigation küstennahes Segeln auf Sicht. Vor dreitausend Jahren zur Zeit der Phönizier und der frühen Polynesier erweiterte sich der Horizont der Seefahrer durch Kenntnisse vom Lauf der Sonne und Gestirne. Nun  konnten Seereisen über tausende von Meilen gemacht werden. In Europa setzten im Mittelalter die Wikinger Maßstäbe als Navigatoren. Mittels Sonnenpeilscheibe und Sonnenschattenbrett konnte der Winkel zwischen der Horizontalen und der Mittagssonne gemessen werden. Dieser Winkel entsprach, allerdings mit ziemlicher Ungenauigkeit, dem Breitengrad auf dem sich der Betrachter befand.

SextantEine ganze Reihe geeigneter Verfahren und Hilfsmittel erleichterten Schritt um Schritt die Navigation. Man unterscheidet heute fünf grundsätzlich verschiedene Navigationsverfahren: Terrestrische Navigation, Kopppelnavigation, Astronomische Navigation, Funknavigation und Satellitennavigation. Aber natürlich waren auch Hilfsmittel zur Tiefenbestimmung wie das Lot oder Geschwindigkeitsmesser wie das Log ebenso wichtig wie immer bessere Seekarten und Kompasse, die seit mehr als tausend Jahren stetig weiterentwickelt wurden.


Eine ganz besondere Bedeutung zur Bestimmung des Längengrades einer Position fiel der genauen Schiffsuhr zu. Hier war der 1693 in England geborene John Harrison mit seinen Schiffsuhren dominierend. Nach 30 Jahren harter Arbeit schuf er eine Uhr, mit der der Längengrad hinreichend genau bestimmt werden konnte. Der Längengrad ergibt sich nämlich einfach aus der Zeitdifferenz zwischen den Sonnenhöchstständen am Schiffsort  und am Nullmeridian in Greenwich. Etwas früher hatte bereits der in Marbach am Neckar geborene und in Esslingen aufgewachsene Tobias Mayer eine Methode gefunden, den Längengrad aus der Mondbahn zu bestimmen. Der Breitengrad konnte vorher schon durch Messungen an der Sonne im Höchststand unter Benutzung nautischer Tabellen ermittelt werden. Das Problem der Positionsbestimmung auf See war damit um 1770 grundsätzlich gelöst.


Von nun an ging es nur noch um die Steigerung der Messgenauigkeit. Hierbei kam der Entwicklung der Funktechnik besondere Bedeutung zu. In Backnang wohlbekannte Unternehmen wie Telefunken und Marconi haben bei der Entwicklung von Peilverfahren Maßstäbe gesetzt. Heute ist die Satellitennavigation das Mittel der Wahl. Hierbei geschieht die Ortsbestimmung durch Auswertung von Signalen mehrerer Satelliten, die nur für diesen Zweck im Orbit kreisen. Das seit 1995 aktive System GPS der USA soll ab 2014 durch das europäische System Galileo ergänzt werden. Mit den Daten dieser Systeme lassen sich Autopiloten an Bord von Schiffen und Flugzeugen steuern. Die Beantwortung der Eingangsfrage „wo bin ich und wie komme ich sicher ans Ziel?“ ist nun eine Sache von Computern geworden. Dass Navigation aber mehr ist als blindes Technikvertrauen, zeigen immer wieder Schiffsunglücke wie jüngst im Mittelmeer.


Ohm, der mit seiner Jacht SY Aquila zwischen 2005 und 2010 die Erde umsegelt hat, spickte seinen höchst anschaulichen und reich bebilderten Vortrag vor der beieindruckenden Kulisse von mehr als 140 Zuhörern mit zahlreichen Beispielen aus dem Bordleben eines modernen Fahrensmannes. Der Förderverein Technikmuseum Backnang setzt seine Vortragsreihe zur Technikgeschichte mit dem Thema Astronomie am 16. April fort.

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