Verzeichnis der Veranstaltungen

Die Geschichte der Chirurgie - Vom Medizinmann zum Computertomographen
Referent: Dr. med. Wolfram Gruner, RMK Backnang
Datum: Mittwoch, 13. Juni 2012
Ort: Bürgerhaus Backnang, Fritz-Schweizer-Saal
 

Zum Glück leben wir im Jahre 2012


Dr. med. Wolfram GrunerDr. med. Wolfram GrunerDr. Wolfram Gruner lässt die fast hundert Zuhörer bei seinem Vortrag zur Geschichte der Chirurgie schaudern. Bei operativem Misserfolg wurden vor 3000 Jahren dem Chirurgen schon mal die Hände abgehackt. Dies erfuhren die faszinierten Gäste bei einer Veranstaltung des Fördervereins Technikmuseum Backnang.

Operation im Hoersaal (Quelle ANZCA)Der Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Gefäßchirurgie am Kreiskrankenhaus Backnang führte sein Auditorium tief in die Geschichte der Augenstecher, Blutschröpfer und Bader ein. Erst von Hammurabi wurden etwa 1800 v.Chr. halbwegs akzeptable Rechtsgrundlagen für ärztliches Handeln aufgestellt. Die Trennung von Religion und Medizin entwickelte sich erst im alten Ägypten und insbesondere auch in Indien. Die Verwissenschaftlichung nahm dort ihren Anfang. Schon zu dieser Zeit wurden, wenn auch nur in den wenigsten Fällen erfolgreich, Hauttransplantationen, Staroperationen, Entfernungen von Blasensteinen und Abszessen vorgenommen. Asklepios, ein in den griechischen Mythen verwurzelter Arzt verdanken wir den Äskulap-Stab, das Symbol aller Heilkunst: Stab und Schlange. Mit Hippokrates kam vor etwa 2500 Jahren ein Mann in die Welt der Medizin, der heute vor allem wegen des nach ihm benannten Hippokratischen Eides in aller Munde ist. Diesen Eid leistet aber kein Arzt mehr. Ethische Grundregeln der Medizin sind für unsere Zeit z.B. in einer Deklaration des Weltärztebundes festgehalten.


Der für die Medizin wichtigste Vertreter der griechischen Klassik ist ohne Zweifel Galen. Geboren in Pergamon etwa 130 n.Chr. entwickelte er eine Fülle von medizinischen Tinkturen, fertigte Schriften, Zeichnungen und Studien in einem solchen Umfang, dass hiervon die Fachwelt weitere 1500 Jahre ihren Nutzen zog. Die Medizin des Mittelalters wurde durch einen erstarkten kirchlichen Einfluss bestimmt. Man sprach von der Mönchsmedizin. Große technische Fortschritte gab es nicht zu verzeichnen. Chirurgie der damaligen Zeit war häufig auch Scharlatanerie, Jahrmarktsensation und Pfusch. So war es nur folgerichtig, dass sich die innere Medizin wieder von der Chirurgie abwandte. Die einen sahen die anderen als eigenartige Handwerker, pflegten ihren Standesdünkel und brauchten weitere 700 Jahre bis zu der Erkenntnis, dass es nur eine Medizin gibt.
Französische Wundärzte trieben das Thema weiter bis schließlich mit Lorenz Heister im Jahre 1710 der erste Lehrstuhl für Chirurgie in Altdorf bei Nürnberg besetzt wurde. Johann Theden, der zur Zeit des Siebenjährigen Krieges lebte, erhielt als erster Chirurg den Doktortitel. Damit war die Gleichstellung der praktischen und der inneren Medizin erreicht. Wesentliche Fortschritte wurden durch verfeinerte Methoden der Sauberkeit im medizinischen Bereich erzielt. Bakterien waren bis zu ihrer Entdeckung durch Robert Koch im Jahre 1876 unbekannt. Saubere Kleidung, Handschuhe, mit Wasserdampf sterilisierte Instrumente, dies alles wurde von den etablierten Fachleuten zunächst nur belächelt. Am Ende siegte die Erkenntnis. Gleichermaßen bestimmend für Fortschritte in der Chirurgie waren die Methoden der Schmerzausschaltung. In alten Zeiten waren wohl Schierling und Opium die Mittel der Wahl. Lachgas und Äther waren da schon viel besser dosierbar.


Heute alltägliche Dinge wie Operationen an der Gallenblase oder von Leistenbrüchen sind erstmals vor rd. 130 Jahren gemacht worden. Derzeitiger technischer Status der Chirurgie wird durch minimalinvasive Techniken bestimmt, bei denen durch kleine Hautschnitte Röhren in den Patienten eingeführt werden, in die dann Skalpell, Licht, Kamera und anderes Werkzeug eingeschoben werden können. Dr. Gruner gab zum Abschluss mit einer Fülle sehr eindrucksvoller Bilder Einblick in die moderne Welt der Chirurgie und allen Zuhörern das gute Gefühl, genau in der richtigen Zeit zu leben.

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