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Der Stern von Bethlehem - Astronomie und Physik zu Weihnachten
Referent: Ewald Müller, Auenwald
Datum: Mittwoch, 3. Dezember 2014
Ort: Bürgerhaus Backnang, Fritz-Schweizer-Saal
 

Der Stern von Bethlehem

Ewald MuellerEwald MüllerAlle Jahre wieder- wie die verstaubte Krippe und die schillernden Christbaumkugeln werden die Hypothesen und Spekulationen über den Stern von Bethlehem hervorgeholt. Ist der Stern bloß ein Mythos, ein Wunder oder lässt er sich wissenschaftlich erklären? Was geschah vor 2000 Jahren am Himmel? Was haben die weisen Männer aus Babylon gesehen? War es gar kein Stern? Vielleicht eine Supernova oder ein Komet? All diese Fragen beantwortete der Referent im Rahmen seines 90 minütigen Vortrags.

Als aber Jesus in den Tagen des Königs Herodes zu Bethlehem in Judäa geboren war, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem, die sagten: "Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben nämlich seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen." (Matthäus 2)

Nein, es waren weder Könige, noch Magier im Sinne von Zauberern, sondern Gelehrte, die sich mit heidnischer Theologie, verschiedenen Wissenschaften, vor allem Astronomie und Astrologie beschäftigten. Man nimmt an, dass es sich um Babylonier handelte. Anhand von aufgefundenen Tontafeln, die dicht mit Keilschrift beschreiben waren und astronomischen Berechnungen enthielten, konnte nachgewiesen werden, dass in Babylon bis über die Mitte des ersten Jahrhunderts hinaus rege Astronomie getrieben wurde.

stern betlehemIn nüchternen Zeiten der Raumfahrt ist man leicht geneigt, die Geschichte des „Sterns von Bethlehem“ als fromme Legende abzutun. Die Frage bleibt jedoch: Gab es zur Zeit von Christi Geburt ein Ereignis am Sternhimmel, der als Stern von Bethlehem gedeutet werden kann?

Ewald Müller ging zunächst auf die falschen Annahmen ein:

Der Weihnachtsstern war kein Komet, wie er über fast jeder Krippe in der Adventszeit hängt. Ein solcher Komet wäre zwei bis drei Monate als ziemlich helles Objekt am Himmel zu beobachten, jeder hätte ihn sehen können, auch Herodes. Er aber und die Schriftgelehrten hatten von der astronomischen Besonderheit am Himmel keine Ahnung. Außerdem waren Kometen  ein Vorbote für Kriege, Hungersnöte und Pestilenz, konnte also unmöglich die Geburt des Jesuskindes ankündigen. In keiner alten Schrift wurde zwischen 10 v.Chr. und 70 n.Chr. ein größerer Komet genannt.

Der Weihnachtsstern war keine Supernova, also ein neuer, plötzlich am Himmel aufflammender Stern. Solch ein Ereignis ist von der ganzen Erde aus nicht zu sehen, außerdem ist es kein neuer Stern, sondern das letzte Aufblitzen eines alten, sterbenden Sternes, der sich explosionsartig aufbläht und dabei seine äußere Gashülle abstößt. Anschließend kollabiert der feste Kern zu einem pulsierenden Neutronenstern. Solche Sternenleichen hat man in der fraglichen Himmelsgegend nicht gefunden. Die dort entdeckten Pulsare hatten alle keine Gashülle mehr, sind daher über 100.000 Jahre alt.

Der Weihnachtsstern war eine besondere Planetenkonstellation. Schon Johannes Kepler hatte dies 1603 vermutet und die dreifache Konjunktion von Jupiter und Saturn im Jahre 7 v.Chr. berechnet. Findet während einer Konjunktion auch die Opposition statt, dann beschreiben beide von der Erde auf der Innenbahn überholten Planeten Schleifenbahnen ineinander. Eine solche dreifache Begegnung findet alle 200 Jahre statt, meistens über mehrere Sternbilder hinweg. Alle 854 Jahre geschieht dies in einem Sternbild, 7 v.Chr. im Sternbild der Fische. Die Astronomie war im alten Babylon eng mit der Astrologie verbunden, also der Wirkung der Sterne auf das Leben der Menschen. Jeder Himmelskörper war ein Symbol: Jupiter stand für Marduk, die Stadtgottheit Babylons und galt als Königsstern. Saturn war der Stern Israels, der Planet, der den Sabbat regiert (noch heute Sonnabend, Sabbat, saturday = Saturntag) Sternbild Fische = Palästina, Westland der Babylonier, Land der Fischer am Mittelmeer. (Jünger Jesu = Fischer, Fische als geheimes Erkennungszeichen der Urchristen während der ersten Christenverfolgungen)

Damit bedeutet die dreifache Konjunktion astrologisch gesehen:

Der Königsstern trifft nach mehr als 850 Jahren den Judenstern im Sternbild der Fische, dem Sternbild der Geburt und des Westlandes:  also wird in Israel der König der Juden geboren.

An den drei Tagen 13.5.7 v.Chr., 30.9.7 v.Chr. und 7.12.7 v.Chr. standen die beiden Planeten in der größten Nähe. Das können wir heute mit Computern einfach rechnen lassen. Umso erstaunlicher ist, dass Kepler vor mehr als 400 Jahren mit Federkiel und Papier diese mühevollen Rechnungen angestellt hatte. Ewald Müller bediente sich des Astroprogrammes „Redshift“ und holte den Sternhimmel von Jerusalem vor 2000 Jahren ins Backnanger Bürgerhaus.

Bis heute gibt es keine abschließende Antwort auf das Phänomen des Sterns von Bethlehem.
Vielleicht hat es ihn als astronomisches Ereignis nie gegeben und die Antwort liegt in der symbolischen Kraft des Lichts. Wo ein Stern in der Dunkelheit hell leuchtet, ist Hoffnung.

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