Verzeichnis der Veranstaltungen

Gewitter, Blitze und Blitzschutz
Referent: Dr. Erich Pivit, Backnang
Datum: Mittwoch, 16. Juli 2014
Ort: Bürgerhaus Backnang, Fritz-Schweizer-Saal
 

Wie schützt man sich vor Blitzen

Der Kampf gegen die Unberechenbarkeit.

Dr. Erich PivitDr. Erich PivitFast 120 Zuhörer erlebten einen ganz außergewöhnlichen Vortrag. Gespickt mit zahlreichen Anekdoten führte einer der renommiertesten Blitzschutzexperten die faszinierten Gäste in die geheimnisvolle Welt der Blitze ein. Ein wenig Physik musste anfangs sein. Alles dreht sich um sich ändernde Magnetfelder. Ströme im Bereich von einigen hunderttausend Ampere, Spannungen mit mehr als zehnmillionen Volt, da geht dem Laien die Vorstellungskraft aus. Pivit erläuterte zunächst die Entstehung von Spannungspotentialen zwischen Erde und Wolke. Aufsteigende feuchte Luft erzeugt durch Reibung eine Ladungstrennung, die zu höchsten Spannungen zwischen Himmel und Erde führen. Diese entlädt sich schließlich schlagartig mit einem Blitz. Dieser Blitz bewegt sich mit zahlreichen Kurzentladungen Stück für Stück nach unten.

Hochgeschwindigkeitsaufnahmen zeigen, dass dieser Entladevorgang im Bereich von Millisekunden abläuft. Der Eindruck einer durchgehenden Blitzlinie ist in Wirklichkeit eine aneinandergesetzte Serie von Kurzblitzen. Eine Blitzentladung ist folglich keineswegs ein eindeutiger Vorgang, der an einer bestimmten Wolke beginnt und an einem von Beginn an ausgewählten Ziel endet. „Blitze bewegen sich wie betrunkene Autofahrer“, erst die letzten 50 Meter entscheiden über den Einschlagpunkt. Durch Beobachtungen der ISS-Besatzung weiß man, dass Blitze auch oberhalb der Wolken weit über die Stratosphäre hinaus Entladungen zeigen. Die naheliegende Frage, ob sich die Energie von Blitzen nicht nutzen lasse, konnte schnell geklärt werden. Der Referent gab ein einleuchtendes Beispiel: ein kleiner Blitz hat die Energie von etwa 1 Liter Benzin, ein großer die von 50 bis 300 Litern. Bei jährlich 1 Million Blitzen in Deutschland entspricht das 30.000 Kubikmetern Treibstoff. Diese Menge wird von der deutschen Autoflotte in 40 Minuten verfahren!

BlitzschadenBlitze bleiben also das, was sie immer waren, eine Gefahr für die Menschen und ihr Hab und Gut. Es bleibt die Frage nach einem wirksamen Blitzschutz. Hier geht es darum, Induktionsschleifen, die schädliche Spannungen aufbauen können, zu vermeiden. Da ist ein Wanderer, der sich bei Gewitter unter einen Baum stellt auf dem Weg in’s sichere Verderben. Die tödliche Induktionsschleife bildet er gemeinsam mit dem vermeintlichen Schutzbaum. Die Überschlagstelle befindet sich zwischen seinem Kopf und einem Ast des Baumes.

Bei Gebäuden besteht die Aufgabe darin, vom Fundament an eine geschlossene Erdschleife um das Bauwerk zu legen. Privaten Bauherren ist der Einbau einer Blitzschutzanlage selbst überlassen, Elementarschadenversicherer bieten erstaunlicherweise aber keine prämienreduzierten Policen an. Die Statistik lässt keine eindeutigen Schlüsse zur Wirksamkeit dieser Einrichtungen erkennen. Das mag auch daran liegen, dass vermutlich im Laufe der Zeit viele der in der Erde befindliche Anlagenteile verrottet sind.


Dr. Pivit entließ seine Zuhörer nicht ohne eindrucksvolle Demonstration seiner tragbaren Blitzgeneratoren. Lauter Knall und platzende Glühbirnen erinnerten jeden an die Gewalt hoher Spannungen aber auch an die Wirksamkeit von Blitzschutzeinrichtungen. Am Ende erging Rat des Fachmanns an die Zuhörer: bleiben Sie bei Gewitter im Hause, berühren Sie keine elektrischen oder metallischen Gegenstände, im Auto ist es sicher, und wenn Sie auf freiem Feld sind gehen Sie in die Hocke und das mindesten 15 Meter vom nächsten Baum entfernt.

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