Verzeichnis der Veranstaltungen

Die Geschichte des Weltalls
Referent: Ewald Müller, Auenwald
Datum: Mittwoch, 22. Juli 2015
Ort: Bürgerhaus Backnang, Fritz-Schweizer-Saal
 

Ewald MuellerEwald MüllerWas war vor dem Urknall?

Es war eine Reise bis an die Grenze der Vorstellungskraft, auf die Müller die 80 Gäste des Fördervereins Technikmuseum Backnang mitnahm. Wir betreten die Welt der großen Zahlen. An Milliarden und Billionen hat sich inzwischen jedermann durch Euro-Rettungsversuche und Staatsverschuldung auf Erden gewöhnen müssen. Diese werden für astronomische Zwecke aber um neue Definitionen erweitert. Der Abstand zwischen Erde und Sonne beträgt 1 Astronomische Einheit AE oder 150 Millionen km. Acht AE sind es dann von Sonne zu Saturn. Die 9,5 Billionen km, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, werden zu 1 Lichtjahr. Die Entfernungen im Universum bemessen sich nach Yottametern, einer Zahl mit 24 Nullen.


Vor rund 100 Jahren war für Astronomen allein unsere Milchstraße das gesamte Universum. Sie hatten keine Vorstellung von der Größe des Kosmos. Genauso glaubten sie, dass die Welt schon immer existierte, dass sie keine Geschichte hatte. Das sollte sich aber rasch ändern, als man weit entfernte Galaxien und ihre Rotverschiebung entdeckte. Erst danach begann man, die ungeheure Ausdehnung des Weltraums zu erahnen. Heute wissen wir aufgrund neuer Beobachtungsdaten, dass unser Universum irgendwann in der Vergangenheit einen Anfang hatte. Es existiert nicht seit ewigen Zeiten, sondern erst seit 13,8 Milliarden Jahren. Spätestens an dieser Stelle gerät man ins Ungewisse. Wie war der Anfang?

urknall Der belgische Theologe und Astrophysiker Georges Lemaître  gilt als Begründer der Urknalltheorie. 1927 beschrieb er seine Vorstellungen vom Ursprung des Universums als Uratom: „Ein kosmisches Ei, das im Moment der Entstehung des Universums explodierte“. Dieses Gedankenkonzept fand keineswegs die ungeteilte Zustimmung der Physikerelite. Auch Einstein lehnte die Idee zunächst ab. Was war vor dem Urknall? Keine Materie, kein Raum, keine Zeit? All dies ist mit menschlicher Vorstellungskraft nicht zu verarbeiten. Es dauerte noch Jahre, bis Stück für Stück Beweise für diese Theorie beschafft werden konnten.

Ein Baustein war die Entdeckung der kosmischen Hintergrundstrahlung, die kurz nach dem Urknall entstand. Die Expansion des Universums, durch eine Spektralverschiebung ins Rote nachweisbar, kam durch Beobachtungen des Amerikaners E. Hubble hinzu. Je weiter eine Galaxie entfernt ist, desto schneller bewegt sie sich. Rückwärts gerechnet muss also diese Bewegung an einem Punkt begonnen haben: die Welt hatte einen Anfang! Die große Häufigkeit von Wasserstoff und Helium im Weltraum erklärt sich aus dem Umstand, dass es sich um Urknall-Elemente handelt. Sie entstanden in den frühesten, heißen Phasen des Universums, anders als die schweren Elemente, die erst später in den Sternen gebildet wurden.

Schließlich lieferten Satellitenmessungen die solidesten Beweise für die Urknalltheorie: Die Existenz von Galaxien kann man nur dann erklären, wenn der Urknall nicht absolut gleichmäßig erfolgt war. Es musste Dichteschwankungen gegeben haben, aus denen Materieklumpen und später die Galaxien entstanden sind.


Müller fasste die Geschichte und das Alter des Universums mit unvorstellbaren 13,8 Milliarden Jahren sehr anschaulich in ein Erdenjahr. Ein Tag hätte bei dieser Betrachtung die Dauer von etwa 40 Millionen Jahren. In der ersten Januarhälfte bilden sich erste Sterne. Ab Mai haben diese Sterne ihren Kernbrennstoff verbraucht und hinterlassen im Inneren Eisen. Schwerere Elemente wie Blei und Uran entstehen durch Implosion. Ab August entsteht unsere Sonne und mit ihr die Erde. Ab September beginnt sich die Erde abzukühlen, Anfang Oktober gibt es die ersten Algen, kurz vor Weihnachten die ersten Fische. Wenige Tage vor Jahresende kommen Vögel und Saurier hinzu. Nach einem Meteoriteneinschlag überleben nur kleine Säugetiere. Silvester, kurz vor Mitternacht tauchen Neandertaler und Homo Sapiens auf. Fünf Sekunden vor Jahresende beginnt unsere Zeitrechnung. Der Mensch ist nur eine Episode im Universum!

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