Die Amateurfunkstation DKØANT im Technikforum               

Kurt SchipsKurt Schips - DL1DAQSL eines Mitarbeiters von AEG TelefunkenIm Jahr 1984 besuchte eine Delegation der Robert Bosch GmbH die Firma ANT in Backnang. Unter den Besuchern war auch ein Mitglied der Geschäftsführung,  Kurt Schips - als "Conny" mit dem Rufzeichen DL1DA bei Funkamateuren wohlbekannt. Er zählte zu den Pionieren bei der Wiedereinführung des Amateurfunks in Westdeutschland nach dem zweiten Weltkrieg. Bei Bosch hatte jedes größere Werk eine "Freizeitgruppe Amateurfunk" mit einer eigenen Amateurfunkstation. Herr Schips war verwundert, dass es in einer so bedeutenden Firma für Kommunikationstechnik -speziell sogar Funktechnik- keine Organisation von Funkamateuren gab.

 

DK0ANT QSL-Karte mit BOSCH-Motiv Er vermutete zurecht, dass hier eine größere Anzahl von Mitarbeitern mit diesem Hobby existierte. Man kontaktierte Herrn Alois Ochojski Alois Ochojski (Rufzeichen DL3PD, auch ein Altmeister des Amateurfunks), um die Gründung einer Gruppe anzuregen. Herr Ochojski delegierte dies an die jüngeren Ingenieure Peter Uhrich (DK7SP) und Rüdiger Pickert Rüdiger Pickert (DF4TX). Am 18. April 1985 wurde der "ANT Amateur Radio Club" offiziell gegründet.

Funkamateure DK0ANT im SchweizerbauIm Mai mietete ANT für die Funkstation Räume im "Schweizerbau" an (ehemals das Atelier des verstorbenen Malers Oskar Kreibich). Die Anzahl der Gründungsmitglieder ist nicht mehr festzustellen; die Mitgliederzahl stieg bis 1998 auf 59 Personen an. Aus den kleinen Mitgliedsbeiträgen und Spenden wurde ein gebrauchtes Kurzwellen-Funkgerät und eine provisorische Antenne, aufgestellt auf der zu den Räumen gehörenden Terrasse, beschafft. Die Gruppenmitglieder konnten jetzt unter ihren privaten Rufzeichen die ersten Funkverbindungen tätigen. Ausgemusterte Messgeräte und "Bastelmaterial" wurden von ANT zur Verfügung gestellt.

 

ANT Nachrichten Juli 1986 tbDer Anfang war mühsamDer Anfang war mühsam

Diesen Bericht schrieb Rüdiger Pickert Rüdiger Pickert DF4TX im Juli 1986 für die ANT Nachrichten.

 

QSL-Karte DK0ANTIm Oktober 1985 erhielt als Verantwortlicher Peter Uhrich von der damaligen Oberpostdirektion Stuttgart die Genehmigung für die Station mit dem speziellen "Klubrufzeichen" DKØANT. Ab jetzt wurden Funkverbindungen unter dieser Kennung hergestellt. Unsere Firma druckte für die Station sogenannte QSL-Karten, mit denen Amateurfunkstationen oft ihre Funkverbindungen schriftlich bestätigen - eine bis heute gepflegte Sitte aus den Anfängen des Amateurfunkwesens!

In der folgenden Zeit wurden durch Spenden und Unterstützung der Firma weitere Geräte beschafft, unter anderem ein Sende-Empfänger für Verbindungen über Amateurfunk-Satelliten vom Typ "Oscar", der von Funkamateuren geplant und erbaut worden war. Dazu gehörte der Ausbau der Antennenanlage auf dem Dach des Schweizerbaus.


afu ausbildung tbDie "ANTnachrichten" berichten im Juli 1989 über den Ausbildungsbetrieb im ANT Amateur Radio ClubEin wichtiger Aspekt war für uns die Ausbildung. Um Sendebetrieb auf den für Amateurfunk zugelassenen Frequenzen machen zu dürfen, muss man eine Prüfung bei der Telekommunikationsbehörde bestehen. Im Lauf der Zeit führten wir dazu viele Lizenz-Kurse in unseren Räumen durch. Dazu kamen Morse-Kurse, da damals für die höchste Klasse der Lizenzen die Fähigkeit zum Geben und Aufnehmen von Morsezeichen nachzuweisen war. Außerdem wurde eine Reihe von technischen Vorträgen ins Programm genommen.

Nach mehreren Umzügen landete DKØANT auf dem früheren Kaelble-Gelände in den Containern der ehemaligen Satellitenstation. Stets nutzten wir unsere Räume nicht nur für den Funkbetrieb, sondern weiterhin für Aus- und Weiterbildung sowie Jugendarbeit, z.B. Teilnahme am Backnanger/Aspacher Ferienprogramm für Schüler.

Containern der ehemaligen SatellitenstationKW-Antenne am ContainerAmateurfunk-Station im Container

QSL-Karte Marconi-Motiv von Im Jahr 2000, inzwischen unter dem Dach der Firma Marconi Communications GmbH, erhielten wir die letzte Version der QSL-Karte zur Feier des hundertsten Jahrestages der ersten transatlantischen Radiowellen-Übertragung am 12.12.1901. Guglielmo Marconi hörte im kanadischen Neufundland das in Cornwall in England gesendete Morsezeichen "S".

 

Guglielmo Marconi - Pionier der Funktechnik

wireless bridges the atlantic marconi 1901Aufbauend auf Versuche und Erkenntnisse des deutschen Physikers Heinrich Hertz startete Marconi eine Karriere als Ingenieur und Unternehmer mit beispiellosem Erfolg.

Der hundertste Jahrestag der erfolgreichen Funküberbrückung des Atlantiks veranlasste die Royal Mint zur Prägung einer 2£ Münze zu Ehren des großartigen Funkpioniers.

Marconi s Atlantic LeapBacknang hat mehrfach Bezug zu Marconi gefunden. Die Gründungslegende zu Telefunken sagt, dass Kaiser Wilhelm II die Elektrokonzerne Siemens und AEG drängte, Marconi bezüglich der Funktechnik eine entsprechende industrielle Antwort entgegen zu setzen. Er fühlte sich auf seiner Yacht von britischen Marconi-Funkern brüskiert. Telefunken wurde daraufhin 1903 als reine Entwicklungsgesellschaft von beiden Großunternehmen gegründet und verblieb bis 1941 in gemeinsamem Besitz.

Die Backnanger ANT Nachrichtentechnik GmbH hat dann Jahrzehnte später Geschäftsbeziehungen zu Marconi in Chelmsford unterhalten, aus denen im Jahre 1990 eine Städtepartnerschaft hervorging.

Pforte Marconi Backnang Schließlich verkaufte die Robert Bosch GmbH im Jahre 2000 den Produktbereich Öffentliche Netze an die britische Marconi. Damit wurde Backnang Standort der Marconi Communications GmbH.

Zu seinen Ehren schwiegen am Todestag Marconis weltweit alle Funkstationen für zwei Minuten.

 

Zur Feier "100 Jahre Telefunken" im Jahre 2003 wurde von der nachrichtentechnischen Abteilung der Techniksammlung Backnang im Gebäude Sorg mit einem Handfunkgerät UKW-Relaisbetrieb demonstriert.

Später kam nach dem Aufspannen einer Drahtantenne auch ein geliehenes Kurzwellengerät an den Arbeitstagen der ehrenamtlichen Mitarbeiter der Techniksammlung zum Einsatz. Für die Verbindungs-Bestätigungen wurde die QSL-Karte "Marconi" mit einem Gummistempel (aus einer Kinder-Druckerei!) zur "Techniksammlung Backnang" befördert.

Amateurfunkstation Sorg Stuttgarter Straße

Wenige Jahre später, an einem sehr kalten Weihnachtstag, musste DKØANT den letzten eigenen Standort räumen: der Frost hatte die Wasserleitung beschädigt. Die Firmen Ericsson und Tesat konnten keine Ersatzräume zur Verfügung stellen. So wurden die Funkgeräte bei den verbleibenden Gruppen-Mitgliedern gelagert; vieles musste verschrottet werden. Das Kurzwellen-Funkgerät wanderte aber in die Techniksammlung und erlaubte dort weiterhin den "Dienstag-Betrieb".

Antenne am Technikforum Nach dem Beschluss der Stadt Backnang, das Gebäude Wilhelmstrasse 32 für das neue "Technikforum" als Standort der Techniksammlung zu erwerben, kam der Wunsch auf, dort ganz offiziell eine Amateurfunkstation zu errichten. Da die Stadt und der Förderverein Technikmuseum Backnang dies befürworteten, übernahm Rüdiger Pickert als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Stadt von Herrn Uhrich die Verantwortung für die Station DKØANT am neuen Standort. Allerdings forderte die jetzt zuständige Bundesnetzagentur noch die Zustimmung von mehreren Mitgliedern eines eingetragenen Vereins. Das war in unserem Fall der Deutsche Amateur Radio Club (DARC), dessen Ortsvereins-Vorsitzender Norbert Lihs (DK7TZ) auch gleich eine UKW-Antenne zur Verfügung stellte.

DK0ANT QSL 2016 tbQSL-Karte DK0ANT ab 2016Für eine Kurzwellen-Drahtantenne wurde weiteres Material beschafft und im November 2015 konnten mit Hilfe der Elektrofirma Föll, die bereits die benötigten Leitungen verlegt hatte, die Antennen am Ostgiebel des Gebäudes angebracht werden. Die Station selbst steht im Obergeschoss im Bereich der "Technikwerkstatt" in abschließbaren Rollschränken. Die vier Funkamateure unter den ehrenamtlichen Mitarbeitern (Ernst Kaufmann Ernst W Kaufmann/DL8NW, Ingolf Layher Ingolf Layher/DF5TT, Wolfgang Matti Wolfgang Matti/DL5TP, Rüdiger Pickert Rüdiger Pickert/DF4TX) haben im Frühjahr 2016 die Geräte aufgebaut und verkabelt. Seit dem 22.3.2016 sind wir auf den Frequenzen von 3,5 MHz bis 440 MHz mit Sprechfunk, Telegrafie (Morsen), Bildfunk und Fernschreiben betriebsbereit!

Die Funkamateure unter den ehrenamtlichen Experten des Technikforums:

Ernst Kaufmann Ernst W Kaufmann DL8NW
Ingolf Layher Ingolf Layher DF5TT
Wolfgang Matti Wolfgang Matti DL5TP
Rüdiger Pickert Rüdiger Pickert DF4TX

DKØANT funkt wieder!

Rüdiger Pickert/DF4TX gelang am Dienstag, 22. März 2016 die erste Funkverbindung (QSO) vom neuen Standort Technikforum. Gegenstelle war eine französische Station im mittleren Loiretal. Gewählte Betriebsart CW (Morsen). Die Aufnahme, gedreht von Wolfgang Matti/DL5TP, zeigt die letzte Phase der Verbindung.

 

Flash-Prüfung

 

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