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Wenn's klappt, wäre es ein Quantensprung

Die Stadt ist bereit, ihre Techniksammlung zu konzentrieren und dafür über eine Million Euro auszugeben

Backnanger Kreiszeitung vom 11.10.2008

Die Exponate gelten als außergewöhnlich, Maschinen und Geräte werden von rührigen, ehrenamtlichen Mitarbeitern in Schuss gehalten, allein die Präsentation lässt zu wünschen übrig. Die Techniksammlung bedarf eines neuen, eines gemeinsamen Domizils. Diesem Ziel ist man nun ein Stück näher: Eine Halle in der Wilhelmstraße soll's sein.

VON REINHARD FIEDLER

Wenn das klappen sollte, "es wäre ein Quantensprung", sagte OB Dr. Frank Nopper am Donnerstagabend im Gemeinderat. Das Gremium teilt diese Meinung, ist hocherfreut über die Tatsache, dass endlich das gehen soll, was die Stadt seit Anfang der 90er vor sich herschiebt. Umsonst freilich ist ein attraktives Technikmuseum auch für Backnang nicht. Wenn denn frühestens ab dem Jahr 2010 die Umsetzung des Konzeptes ansteht, wird der Kämmerer etwa 1,1 Millionen Euro lockermachen müssen. Ein.e zwar stattliche Summe, aber längst nicht so gewaltig, wie die von Stadtplaner Stefan Setzer ebenfalls präsentierten Alternativen.

Mit der Gründung eines Fördervereins für die städtische Techniksammlung kam wieder etwas mehr Schwung in die Sache. Experten wurden zugezogen, das Stadtplanungsamt machte sich auf die Suche nach Lösungsvorschlägen. Die Notwendigkeit zum Handeln ist schließlich unbestritten: Die nachrichtentechnischen Stücke der Sammlung sind zwar im Sorg-Gebäude in der Stuttgarter Straße untergebracht, können aber wegen Brandgefahr nicht mehr besichtigt werden. Exponate aus der Hoch-Zeit von Gerberei, Spinnerei und Maschinenbau in Backnang gibt's zwar auch zuhauf, sind jedoch ebenfalls in einem für diesen Zweck unzureichenden alten Kaelble-Gebäude in der Mühlstraße 13 angehäuft. Mithin ist eine Zusammenlegung das Vernünftigste, und zwar an gut erreichbarer Stelle in einem sich hierfür anbietenden Gebäude.

Wilhelmstrasse 32Ehemalige Kaelble-Halle in der Wilhelmstraße 32Deshalb der vom Gemeinderat unterstützte Vorschlag der Verwaltung: Erwerb, San1erung und Unterbringung in der Wilhelmstraße 32. Hierbei handelt es sich auch um eine einstige Kaelble-Halle. Aktueller Eigner ist ein schottisches Immobilienunternehmen und Ericsson der Mieter.

Die Verkehrsanbindung ist gut, die Entfernung zur Innenstadt akzeptabel, Besucherparkplätze gibt's hinter der Halle, die Unterbringung von Ausstellungsstücken für alle vier Sparten ist möglich, zusätzliche Räume können geschaffen werden, die Gesamtfläche addiert sich auf ausreichende 2 680 Quadratmeter. Die Gesamtkosten (Kauf und Sanferung) belaufen sich nach Berechnungen des Rathauses auf 1,09 Millionen Euro.

Vom Verkäufer allerdings noch nicht bestätigt ist der Kaufpreis, wie der Oberbürgermeister auf Nachfrage von Christa Breuninger (CDU) sagte. "Wir sind doch erst ganz am Anfang des Prozesses, mit dem Eigner sind wir im Gespräch, Verkaufsbereitschaft wurde signalisiert, in trockenen Tüchern ist das Geschäft allerdings noch nicht. Und wenn der Verkaufspreis doch höher sein sollte, was dann? Breuningers Nachhaken ließ mal wieder den unerschütterlichen Optimismus eines Frank Nopper Raum greifen: "Ich gehe davon aus, dass der Preis eher drunter liegt."

DampfmaschineEin Stück Backnanger IndustriegeschichteDeutlich machte das Stadtoberhaupt allerdings auch, dass zusätzliche Personalkosten nicht gestemmt werden können, dass man weiterhin auf ehrenamtliche Arbeit all jener Männer angewiesen ist, die die Gegenstände voller Eifer reparieren und pflegen. Da mit Ehrenamtlichen ein Museum nicht jeden Tag öffnen kann, ist es auch nicht möglich, mit Eintrittspreisen Einnahmen zu generieren. Das erfuhr Rainer Lachenmaier (Grüne) auf Nachfrage und bekam von Frank Nopper zudem gesagt, dass "solche Einrichtungen überall höchst defizitär sind".

  • Abgesehen von Stefan Setzer, der auch die andern Möglichkeiten vorzustellen hatte, verlor im Gremium darüber niemand ein Wort. Angesichts der Fakten respektive Kosten völlig verständlich:
  • Die Halle in der Mühlstraße 13 ist zwar in städtischem Besitz, Sanierung und Umbau würden sich allerdings auf' 1,52 Millionen Euro belaufen.
  • Die Gebäude T und F in der Eugen-Adolff-Straße 120 eignen sich - etwa wegen zu geringer Raumhöhe nur bedingt für eine Technikausstellung und  könnten vom Eigner, der Dibag AG, lediglich gemietet werden. Kaltmiete pro Jahr rund 150 000 Euro. Das hieße, dass in zehn Jahren mehr auszugeben wäre, als für Kauf und Sanierung der Halle in der Wilhelmstraße 32.
  • Auch in der problembeladenen Industriebrache Obere Walke wurde ein Gebäude, Gartenstraße 76, unter die Lupe genommen. Für museale Zwecke eignet es sich zwar zumindest bedingt, doch Kaufpreis und Teilsanierung wären gewaltig: 4,55 Millionen Euro. - Ein Stadtrat, am Rande der Sitzung darauf angesprochen, reagierte mit eindeutiger Geste: Scheibenwischer.
  • Dabei vermochte Setzer auch diese Summe noch zu toppen. Nur nicht konkret. Denn in der Sitzungsvorlage war diese Alternative, ebenfalls in der Oberen Walke gelegen, überhaupt nicht aufgetaucht. "Die würde den Preis der Gartenstraße 76 noch deutlich übertreffen ."

Nachrichtentechnische Sammlung von nationalem Rang

Dr. Thomas Kasche, Hauptkonservator beim Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannhe·im, bewertet die Backnanger Techniksammlung so:

  • Die nachrichtentechnische Sammlung dokumentiert diesen Sektor von den Anfängen bis zu den digitalen Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit. Sie ist in ihrer Objektqualität und Vollständigkeit einmalig und von nationalem Rang.
  • Die ledertechnische Sammlung bietet unter and~rem ein komplettes Maschinenensemble, mit dem der Werdegang von der Tierhaut zum Halbfertigprodukt veranschaulicht werden kann. Sie greift damit ein Thema auf, das in deutschen Museen kaum dargestel1t wird.
  • Die textiltechnische Sammlung verfügt über signifikante Objekte zur Darstellung der vorindustriellen und industriellen Textilverarbeitung vor allem des Rohstoffes Schafwolle.
  • Die Sammlung Kaelble wartet mit eindrucksvollen Beispielen aus der Produktpalette dieses Backnanger Unternehmens auf mit einem  Schwerpunkt auf dem Bereich der Stationärmotoren

 

(Quellen: Backnanger Kreiszeitung, Fotos: E. Layher, mit freundlicher Genehmigung Verlag Fr. Stroh, Backnang)

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100 Jahre Rundfunk in Sueddeutschland s

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Ausstellung von 21. Januar bis 31.März 2024 im Technikforum Backnang

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Sonntag von 14 Uhr bis 17 Uhr
Dienstag von 9 Uhr bis 12 Uhr
(außer an Feiertagen)

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Dienstags sind die ehrenamtlichen Experten vor Ort und geben gerne kurze Erläuterungen zu den Exponaten.

Im ersten Stock ist zudem bis 31. März 2024  die Ausstellung "100 Jahre Rundfunk in Süddeutschland" zu sehen.

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Hallenbuchung für Veranstaltungen unter Tel. 07191 894-453
oder per E-Mail technikforum@backnang.de

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