Aus der Stadtchronik Backnang:

Meilensteine in der Geschichte der Backnanger Gerbereien

Helmut BommHelmut BommHeiner KirschmerHeiner KirschmerHier haben wir eine die Backnanger Gerbereibetriebe betreffende Auswahl von Ereignissen zusammengestellt, die Zeugnis über die wechselvolle Geschichte dieses für Backnang einst so wichtigen Handwerks- und Industriezweiges ablegen. Die Texte entstammen überwiegend der Backnanger Kreiszeitung und sind von Helmut Bomm und Heiner Kirschmer als Stadtchronik erfasst und aufgezeichnet worden.

Die vollständige Stadtchronik steht hier zur Verfügung: https://www.kirschmer-backnang.de/stadtchronik/

 

1812

Gründung einer Gerberei im Gebäude Sulzbacher Straße 10. Da in dem Gebäude auch die Post untergebracht ist, wird der Betrieb „Postgerberei" genannt

1862

Gründung der Lederfabrik Fritz Häuser.

1864

Auflösung der „Unteren Spinnerei" und Umwandlung in eine Lederfabrik „Untere Fabrik". (Da es in Backnang bis dahin zwei Spinnereien gab, wurde die Firma Adolff entsprechend dem Murrlauf „Obere Spinnerei" und die in der unteren Au befindliche Streichwollspinnerei „Untere Spinnerei" genannt. Die Lederfabrik in der Fabrikstraße 74 wurde jetzt „Untere Fabrik" genannt; sie wurde 1880 von Robert Kaess übernommen und 1919 in Lederwerke Backnang umbenannt.)

1867

Geschäftsgründungen: Lederfabrik Karl Pommer in der Wilhelmstraße (heute Murrtallederfabrik); Lederfabrik Louis Schweizer am Kalten Wasser und Schreinerei Munz.

1869

Gründung der Lederfabrik Hodum, Gerberstrage/Wilhelmstrage 43.

1871

Juli – September: Aufstellung von Dampfmaschinen in den Lederfabriken Rudolf Kaess und Friedrich Eitel in der Unteren Au, Carl Kaess im Biegel und Gebrüder Häuser.

Der Jahresumsatz der Backnanger Lederindustrie steigt seit 1867 von 14 000 Ztr. auf 24 000 Ztr.. In der Lederindustrie arbeiten 102 Meister, 456 Gehilfen und 97 Lehrlinge. Vier Lohmühlen sind voll beschäftigt.

1873

Backnang beschickt Wiener Weltausstellung mit Schafwolle vom Ungeheuerhof und Ledererzeugnissen von Friedrich Kaess.

Bau einer Lederfabrik durch Louis Schweizer in der Walke (heute Gartenstraße 76)

1874

Bau der damals größten Backnanger Lederfabrik durch Friedrich Kaess in der Gartenstraße (nach dem Konkurs von 1898 Lederwerke L. Nebinger. 1911 Übernahme durch Fritz Häuser).

1885

Gründung der Lederfabrik Karl Häuser, Wilhelmstraße.

1889

21. November Lederfabrik Friedrich Kaess erhält elektrischen Strom.

1899

Schwere Wirtschaftskrise. Zahlreiche Firmenkonkurse in Backnang. Stadt erwirbt Postgerberei, Sulzbacher Straße 10 zur Einrichtung einer Gerberfachschule.

Bleichwiese

Blick vom Freithof auf Bleichwiese und Sulzbacher Brücke. An der Murr befindet sich ein Badehäuschen, am rechten Bildrand die Postgerberei. Bild um die Jahrhundertwende.

1900

2. April: Gründung der Gesellschaft Lederfabrik-Union Backnang als Musterbetrieb für die geplante Gerbereifachschule.

1902

Einführung der mineralischen Chromgerberei in Lederfabrik Fritz Häuser.

1905

Gründung des Vereins Backnanger Lederproduzenten. Nachdem die Bemühungen zur Bildung einer Gerberfachschule erfolglos geblieben sind, verkauft die Stadt die Postgerberei, Sulzbacher Straße 10, an Fritz Schweizer,

1910

Die Lederfabrik Kaess im Biegel

Lederfabrik Kaess im Biegel

1911

Abbruch der Lohmühle im Biegel.
Fritz Häuser erwirbt die Nebingerschen Fabrikanlagen in der Gartenstraße und ermöglicht dadurch den Aufstieg zur größten Gerberei in Backnang.

1919

Gründung der Lederwerke Backnang durch Robert Kaess.

1955

Lederwerke in der Unteren Au

Die 1919 gegründeten Lederwerke in der Unteren Au

Stadtchronik 1800 1989 Seite 052 Bild 0002b

Neubau der Lederfabrik Fritz Häuser in der Gartenstraße

1959

 Stadtchronik 1800 1989 Seite 074 Bild 0001

1959 errichtetes Fabrikgebäude der Lederfabrik Hodum neben der Etzwiesenbrücke

1968

12. Dezember: Abbruch des Gebäudes Sulzbacher Straße 64 (frühere Gerberei Gotthilf Kern).

1971

26. September: Die von Professor Oskar Kreibich entworfene und von der Lederindustrie gestiftete Stahlplastik „Gerbersymbol" in den Annonayanlagen eingeweiht.

1977

Acht Firmen führen eine Versuchsreihe zur Klärung der insbesondere von der Lederindustrie stark belasteten Backnanger Abwässer auf der Kläranlage Neuschöntal durch. Auf Grund der besten Reinigungsleistung fällt die Entscheidung für das Katox-System der Firma Krupp, Essen.

1985

2. Juli: Lederfabrik Carl Kaess gibt Stammwerk wegen der ungeklärten Abwassersituation auf. Sozialplan für 60 Mitarbeiter.

1991

Mai: Die seit 1885 bestehende Lederfabrik Karl Häuser in der Wilhelmstraße stellt die Produktion ein und schließt die Pforten.

1992

4. April: Ein Schwelbrand in der Lederfabrik Fritz Häuser verursacht einen Schaden von etwa 300 000 Mark.

1993

17. März: Die im Januar begonnenen Abbrucharbeiten im Biegel-Gelände sind weit fortgeschritten. Abgebrochen wird auf dem 1,6 Hektar großen Gelände in einzelnen Abschnitten. Der Abbruch der ehemaligen Lederfabrik Kaess kostet die Stadt 1,4 Millionen Mark. Mit der Sprengung des Kamins werden die Arbeiten vorläufig abgeschlossen.

Der Biegel nach dem fast völligen Abbruch der Bauten der ehemaligen Lederfabrik Kaess

Der Biegel nach dem fast völligen Abbruch der Bauten der ehemaligen Lederfabrik Kaess.

1994

1. Juni: Die Fritz Häuser GmbH & Co stellt nach 134 Jahren die Lederproduktion ein. Mit der Schließung des Betriebs in der Gartenstraße sind die 160 Beschäftigten arbeitslos.

1995

2. Februar: Mit dem Abbruch der früheren Lederfabrik Karl Häuser zwischen Friedrich- und Karlstraße wird begonnen. Die alten Gebäude sollen einer neuen Wohn- und Geschäftsanlage Platz machen. Bauträger ist die „GBR Aspacher Tor"; die Kosten werden zwischen 50 und 60 Millionen Mark betragen.

1995 Lederfabrik Karl Haeusser

Beginn der Abbrucharbeiten des Areals der früheren Lederfabrik Karl Häuser zwischen Friedrich-und Karlstraße.

1996

Die Lederfabrik Louis Breuninger GmbH schließt zum 31. März 1997. Das 1892 gegründete Backnanger Traditionsunternehmen beschäftigt noch 18 Mitarbeiter, von denen die ersten noch im November gehen müssen, die letzten Ende März 1997.

1999

31. Oktober Die Lederfabrik Langbein, die mehr als 100 Jahre in erster Linie Material für die Schuhindustrie lieferte, schließt ihre Pforten. Die Firma, die zuletzt 25 Mitarbeiter beschäftigte, klagte seit Jahren über Umsatzeinbußen durch Billiglohnländer.

2001

Stadtchronik 2001

4. August: Zwei von der Firma Gockenbach GmbH & Co KG hergestellte Gerbfässer werden nach dem Zusammenbau zum Kunden transportiert. Die beiden Fässer mit dem Durchmesser von 3,7 und 3,8 Metern haben einen Inhalt von 380 000 Liter und ein Gewicht von 8 800 Kilogramm. Jedes Fass kann mit etwa 10 000 Kilogramm Rindshäuten plus 15 000 Kilogramm Flüssigkeit beladen werden. In diesen Weich-und Äscherfässern werden die ersten Arbeits-prozesse bei der Lederherstellung durchgeführt. Mit den beiden Anlagen werden hochwertige Autoleder für namhafte Autohersteller erzeugt. Die Firma Gockenbach, die auf 125 Jahre Firmengeschichte zurückblicken kann, ist in Deutschland der einzige Hersteller solcher Gerbfässer.

2003

7. April: Die traditionsreiche Lederfabrik Louis Schweizer KG schließt ihren Standort Murrhardt. Betroffen sind etwa 100 Mitarbeiter.

2011

8. Juli: Im Bereich der Oberen Walke beginnen die Abbrucharbeiten für die Neubebauung des Areals. Damit verschwinden weitere Gebäude ehemaliger Lederfabriken, die einstmals prägend für die „Süddeutsche Gerberstadt“ waren.

2012

21. Januar: Der 67 Meter hohe Schornstein der ehemaligen Lederfabrik Fritz Häuser in der Oberen Walke wird gesprengt. Eine hohe Zahl an Schaulustigen wohnt dem Ereignis bei. Nach Expertenansicht war die Standsicherheit des Schornsteins nicht mehr dauerhaft gewährleistet.

2013

31. Dezember: Das traditionsreiche Lederunternehmen Gebrüder Räuchle stellt die Produktion in Backnang ein. Damit schließt der letzte Betrieb in Backnang, der Leder hergestellt hat. Die Produktion läuft in Polen weiter, die Verwaltung bleibt in Backnang.

2018

2. Februar: Der Backnanger Karnevals-Club (BKC) hebt die Backemer Träppler Buaba aus der Taufe, eine Brauchtumsgruppe, die an das historische Gerberhandwerk in Backnang erinnern soll.

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