Einblicke in die Lehrlingsausbildung bei Kaelble

2000 Azubis in 100 Jahren

Im Technikforum in der Wilhelmstraße 32 ist bis zum Jahresende 2018 die Sonderausstellung „Einblicke in die Lehrlingsausbildung bei Kaelble“ mit rund 120 Fotos und Dokumenten zu sehen.

Ausstellung Lehrlingsausbildung bei Kaelble

 

Gottfried Kälble gründete 1895 in Backnang in der Wilhelmstraße 44 die „G. Kälble – Maschinen- und Eisenkonstruktionswerkstätte“, nachdem er bereits in Cannstatt neun Jahre lang eine mechanische Werkstatt betrieben hatte.

Schon bald nach der Firmengründung wurden Lehrlinge ausgebildet. Damals mussten die Eltern dafür noch Lehrgeld bezahlen. Unterkunft und Verpflegung wurde im Wohnhaus der Familie Kaelble gewährt. Bis 1934 bildete Kaelble Mechaniker-Lehrlinge aus, danach Maschinenschlosser, Dreher, Technische Zeichner, Teilzeichnerinnen und auch kaufmännische Lehrlinge. Da Kaelble 1995 Konkurs anmeldete, gab es zunächst auch keine Lehrlingsausbildung mehr. Erst ab 1999 wurde im Werk 2 auf der Maubacher Höhe wieder ausgebildet. Die letzten Azubis konnten im Jahr 2004 allerdings aufgrund des erneuten Konkurses ihre Lehre bei Kaelble nicht mehr beenden. Insgesamt bildete Kaelble in rund 100 Jahren ungefähr 2000 Lehrlinge aus.

Ausstellung Lehrlingsausbildung bei Kaelble Plakat 400Die Ausstellung wird im Technikforum in der ehemaligen Lehrwerkstatt präsentiert, die 1938 in der neu gebauten Montagehalle eingerichtet wurde und mit Arbeitsplätzen für 60 Lehrlinge ausgestattet war. Neben der Firmen- und Produktionsgeschichte von Kaelble veranschaulichen Lehrarbeiten und Berichtshefte die Ausbildungsinhalte und den Ablauf der Ausbildung.

Anhand der Arbeitsverträge aus verschiedenen Jahrzehnten werden die Veränderungen im Alltag der Lehrlinge deutlich, von einer täglichen Arbeitszeit von zehn Stunden über die Sechs-Tage-Woche und einen Urlaubsanspruch von zwölf Tagen pro Jahr in den 1940er-Jahren bis zu den Bedingungen, denen die ab 1960 erlassenen Jugendarbeitsschutzgesetze zugrunde lagen. Während in den Lehrverträgen bis Ende der 1940er-Jahre das Erziehungsrecht sowie das Recht zur väterlichen Züchtigung von den Eltern auf den Lehrherrn übertragen wurde, hat der Ausbilder in den Verträgen der 1970er-Jahre die Pflicht, „dafür zu sorgen, dass der Auszubildende charakterlich gefördert sowie sittlich und körperlich nicht gefährdet wird“.

Die ausgestellten Fotos lassen Einblicke in die Lehrwerkstatt, die Berufsschule und den betriebsinternen Werkstattunterricht zu. Es werden zudem Modelle von Kaelble-Fahrzeugen gezeigt, die die Lehrlinge am Ende der Lehrzeit gemeinsam in der Lehrwerkstatt anfertigten. Diese zeigen einen Überblick über die Produktionsgeschichte und sind heute begehrte Sammlerstücke.

Die Ausstellung setzt sich auch mit der Lehrlingsausbildung bei Kaelble im „Dritten Reich“ und während des Zweiten Weltkriegs auseinander. Abgerundet wird die Ausstellung durch Fotos von Ausflügen und Abschlussfahrten und zahlreichen Gruppenbildern der einzelnen Ausbildungsjahrgänge. Das älteste Foto stammt aus dem Jahr 1937.

Ein Treffen der Lehrlinge im Technikforum ist zum Jahresende geplant. Ehemalige Lehrlinge und Auszubildende, die zu dieser Veranstaltung eingeladen werden möchten, werden gebeten, ihre Kontaktdaten im Technikforum zu hinterlassen, ebenso wie Personen, die dem Technikforum Fotos aus ihrer Lehrzeit oder Unterlagen wie Arbeitsverträge oder Berichtshefte zur Ansicht oder als Schenkung zur Verfügung stellen möchten.

(Quelle: Backnanger Kreiszeitung 16.7.2018, mit freundlicher Genehmigung Verlag Fr. Stroh, Backnang)

 

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