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Astronomie - eine Kalenderwissenschaft - Von Stonehenge zur gregorianischen Kalenderreform
Referent: Ewald Müller, Auenwald
Datum: Mittwoch, 6. Februar 2013
Ort: Bürgerhaus Backnang, Fritz-Schweizer-Saal
 

Astronomie – eine Kalenderwissenschaft

Ewald MuellerEwald MüllerWoher kommt der Ausdruck „zwischen den Jahren“, warum gibt es Schaltjahre, warum feiern wir Ostern dieses Jahr so früh und warum fand die russische Oktoberrevolution am 7. November 1917 statt, all diese Fragen beantwortete OStR i.R. Ewald Müller bei einem höchst interessanten Vortrag des Fördervereins Technikmuseum Backnang und spannte einen weiten historischen Bogen von den Ägyptern bis zu Papst Gregor mit seiner Kalenderreform im Jahre 1582.

Jeder kennt die Bilder des gewaltigen Steinkranzes von Stonehenge in England. Die wenigsten wissen aber, dass in Goseck (Sachsen-Anhalt) vor etwa 10 Jahren eine jungsteinzeitliche Anlage ausgegraben wurde, die 2000 Jahre älter ist als der englische  Stein-Kalenderbau. Diese Kreisgrabenanlage bestand allerdings aus vergänglicherem Material: nämlich Holz. Jahrtausendelanger Ackerbau und die Witterung hatten fast alle Spuren verwischt. Erst 1991 konnte auf Luftbildern ringförmige Bodenverfärbungen entdeckt werden. Inzwischen ist die Anlage restauriert und für Besucher zugänglich. Astronomen haben den Monumentalbau als ältestes Sonnenobservatorium der Welt bezeichnet. Denn Tore in den Palisaden und Gräben erlauben eine Visierrichtung, die auf die Sonne zur Wintersonnenwende am 21.Dezember zielt.

Planeten und WochentageNatürlich hätte man diesen kürzesten Tag des Jahres auch an der maximalen Schattenlänge eines Holzstabes erkennen können. Dass Menschen der Jungsteinzeit solche gewaltigen Erdwerke erstellten, knüpfte an mythologische und kosmologische Vorstellungen an und so wurde Goseck ein gesellschaftlicher und kultureller Mittelpunkt.
Ewald Müller nahm die Zuhörer dann auf eine Reise nach Nordafrika, wo Astronomen vor 5000 Jahren den (heliakischen) Aufgang des Sirius beobachteten und die anschließende Nilschwemme „vorhersagten“. Der ägyptische Sonnenkalender mit 365 Tagen passte dann genau zu den Jahreszeiten und dem „Niljahr“. Inzwischen war die genaue Jahreslänge auf 365,2422 Tage bestimmt worden.

Im Jahre 45 v. Chr. ersetzte Julius Cäsar den alten römischen Mondkalender durch diesen Kalender. Er hatte 3 Gemeinjahre zu 365 Tagen und ein Schaltjahr zu 366 Tagen und ging somit von einer Jahreslänge von 365,25 Tagen aus. Der Fehler von 0,0078 Tagen pro Jahr sah man als vernachlässigbar an, war aber bis ins Mittelalter auf 10 ganze Tage angewachsen. Im Jahre 1582 führte das dazu, dass schon am 11. März der Frühlingsanfang, also Tag- und Nachtgleiche war. Das missfiel insbesondere der katholischen Kirche, da ja das Osterfest nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert wurde und somit immer weiter in den Winter verschoben wurde. Papst Gregor XIII ließ daraufhin 10 Tage im Oktober 1582 einfach weg und bestimmte, dass alle 400 Jahre 3 Schaltjahre wegfallen, nämlich 1700,1800 und 1900; erst 2000 sollte wieder ein Schaltjahr sein. Dieser gregorianische Kalender ist jetzt so genau, dass er erst in 3300 Jahren einen Tag falsch geht.

Leider haben nicht alle Länder diese Reform des katholischen Papstes mitgemacht. Erst 1699 akzeptierte ihn die evangelische Kirche, so lange gab es in Deutschland zwei Kalender nebeneinander: während die einen Weihnachten feierten, hatten die anderen bereits Neujahr. Aus dieser Zeit stammt der Ausdruck „zwischen den Jahren“. Erst 1923 übernahm die orthodoxe Kirche diesen Kalender. Bis dahin hatte sich der Fehler     aber bereits auf 13 Tage gesteigert, daher war der 25. Oktober 1917 in Russland bereits der 7. November 1917 im Rest der Welt.

Am Ende seines Vortrags überraschte der Referent die Zuhörer schmunzelnd mit einem Abstecher in die Astrologie: den Zusammenhang zwischen der Siebentagewoche und den sieben Wandelsternen am Himmel, namens Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Jeder Tag der Woche wird nämlich von einem dieser „Planeten“ beherrscht und gibt ihm seinen Namen. (vgl. Bild)

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