Verzeichnis der Veranstaltungen

Die Geschichte der Wettervorhersage - Von Bauern- und Seemannsregeln zu Großrechnerprognosen
Referent: Dr. Ing. Gerhard Ohm, Backnang
Datum: Mittwoch, 4. Dezember 2013
Ort: Bürgerhaus Backnang, Fritz-Schweizer-Saal
 

"Ist der Wein am Abend rot, kennt der Seemann keine Not"

Dr. Gerhard OhmDr. Ing. Gerhard OhmDen Zuhörern beim Vortrag von Dr. Gerhard Ohm zur Geschichte der Wettervorhersage war spätestens bei dieser spaßigen Erkenntnis klar, dass Wetterprognosen in der fernen Vergangenheit viel mit Fantasie und wenig mit Wissenschaft zu tun hatten. Der Förderverein Technikmuseum Backnang hatte zur letzten Veranstaltung in diesem Jahr eingeladen. Das Thema Wetter und seine Voraussage bekam in Erwartung des Orkantiefs Xaver eine höchst aktuelle Bedeutung. Meteorologie ist Forschung an Wetter und Klima zugleich. Kurzfristige Vorhersagen im Bereich Stunden und Tage betreffen immer das Wetter. Von Klima redet man bei langfristigen Veränderungen über Jahre und Jahrhun-derte. Die für viele Lebensbereiche höchst nützlichen Erkenntnisse über künftige Wetterkapriolen war natürlich schon immer Gegenstand von Untersuchungen, Annahmen und Mutmaßungen.

Die griechische Mythologie sah eine ganze Reihe von Göttern in der Ver-antwortung für Regen, Blitz und Donner. Seriöser wurden die Versuche in die Zukunft zu blicken, als man anfing Aufzeichnungen des realen Wetters zu machen und darin Regel-mäßigkeiten zu erkennen glaubte. Albertus Magnus, Gelehrter und Bischof des Hochmit-telalters hinterließ erste Bauernregeln und Wetteraufzeichnungen, die später von anderen verfeinert und ausgebaut wurden. Einen regelrechten Schub erfuhr die Wetterkunde durch die Erfindung geeigneter Instrumente. Zwischen dem fünfzehnten und achtzehnten Jahr-hundert entstanden Instrumente zur Windmessung, Thermoskope, Barometer, Thermometer und Hygrometer.

Hundertjähriger Kalender von 1701Jetzt hatte man Messwerte, die richtigen Schlüsse daraus mussten freilich erst gezogen werden. Kein Weg führte an den Bauernregeln vorbei. Diese wurden laufend verfeinert und verbessert. Hier verbarg sich ein Jahrhunderte alter Erfahrungsschatz. Die Regeln erfassten wichtige Lebensbereiche wie Wetter und Witterung, Erkenntnisse aus Tier- und Pflanzenbeobachtungen und beschrieben Ernteregeln. Dass hinter scheinbar simplen Aussagen wie „Morgenrot - Schlechtwetter droht“ die Tatsache steht, dass ein röt-licher Morgenhimmel hohe Luftfeuchtigkeit anzeigt und damit ein untrügliches Zeichen von Schlechtwetter zu sehen ist, hat eine Menge Wissen um physikalische Wettereffekte erfordert.

Andere, besonders kalenderbezogene Witterungsregeln haben eine Trefferwahr-scheinlichkeit von um die 50 Prozent. Das bedeutet, dass  das angesagte Ereignis auftreten kann oder auch nicht. Allein die Regel mit dem Hahn auf dem Mist erreicht die Trefferquo-te von 100 Prozent. Aberglaube hält die Menschen dennoch bis heute gefangen, Neuaufla-gen erfreuen sich ungeschmälerter Beliebtheit. Richtige Fortschritte im wissenschaftlichen Sinne brachte erst die Zeit nach 1700. Ballons, bemannt und unbemannt, halfen Messwerte zu gewinnen, Berggipfel dienten als Beobachtungs- und Messstationen, Forscher an Bord von Schiffen brachten Erkenntnisse aus fernen Erdteilen mit.

Um 1850 gab es erstmals Modelle der Erdatmosphäre. Jetzt wurde klar, dass durch starke Sonneneinstrahlung am Äquator die aufsteigende Luft permanente Tiefdruckgebiete erzeugt und sich diese Luft walzenförmig nach Norden und Süden ausbreitet. Ein Abstieg der Luftmassen im Bereich der Wendekreise erzeugt entsprechend konstante Hochdruckgebiete. Nördlich der Tropen herrschen vorwiegend Westwinde und Tiefdruckgebiete sind stets linksdrehend. Dies alles ist heute Basiswissen. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Wetterdienste in Europa. Deren Erkenntnisse basierten auf zahlreichen verteilten Messstationen. Ein immer feinmaschiger werdendes Netzt von Sensoren umspannt seither die Erde. 1950 wurde die World Meteorological Organization WMO gegründet. Sie sorgt für schnellen Datenaus-tausch und koordiniert die Wetterstationen der Welt. Seit den 1960er Jahren fliegen Wet-tersatelliten um den Globus, oft mit Beiträgen der Backnanger Raumfahrtunternehmen an Bord, und bieten uns heute den Service einer Wettervorhersage von bisher nicht gekannter Präzision. Die Unwägbarkeiten einer chaotischen Atmosphäre wird man aber wohl niemals ausschließen können.

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