Verzeichnis der Veranstaltungen

Vom Elfenbein zum Titan - die Entwicklung der Hüft- und Knieendoprothetik
Referent: Dr. med. Ingolf Hoellen, RMK Backnang
Datum: Mittwoch, 10. Februar 2010
Ort: Bürgerhaus Backnang, Walter-Baumgärtner-Saal
 

"Vom Elfenbein zum Titan"

Dr. Ingolf HoellenDr. Ingolf Hoellen- die Entwicklung der Hüft- und Knieendoprothetik

Jürgen Beer vom Förderverein Technikmuseum eröffnete die Veranstaltung im Walter-Baumgärtner-Saal des Bürgerhauses. Nicht nur Technikgeschichte die Industrie und das Handwerk betreffend, soll in der Vortragsreihe bedacht werden. Technische Entwicklung gab es auch im medizinischen Bereich. Der Verein setzt sich für die Einrichtung eines Technikmuseums in Backnang ein.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren die Behandlungsmöglichkeiten bei Gelenkerkrankungen und Verletzungen sehr beschränkt, führte Hoellen in seinem Vortrag aus. In schweren Fällen konnten die Betroffenen nur durch Amputation von ihren Schmerzen befreit werden. Ein Meilenstein in der Chirurgie war die Fortentwicklung der Anästhesie Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Lachgas wurde entdeckt und andere Narkoseformen wie Äther. Weitere wichtige Schritte waren die Verbesserung der Hygieneverhältnisse in den Kliniken und die Entdeckung der Röntgenstrahlen.


Der Referent zeigte Röntgenaufnahmen gesunder und von Arthrose zerstörter Hüftgelenke und erläuterte den Gelenkaufbau. Die ersten künstlichen Kniegelenke aus Elfenbein, ein Material, das dem Knochen ähnlich ist, implantierte der Berliner Arzt Themistocles Gluck Ende des 19. Jahrhunderts, wobei er die Prothesen mit Kolophonium und Gips fixierte. Allerdings kam es dadurch zu extremen Infektionen, an denen alle operierten Patienten starben. Hoellen erläuterte weitere Versuche im 20. Jahrhundert. Hüftgelenkprothesen in verschiedenen Formen und aus unterschiedlichen Materialien, wie etwa Plexiglas oder Teflon wurden eingesetzt, wobei das dauerhafte Fixieren der Implantate ein Problem darstellte. Die moderne Endoprothetik begann in den 1960er-Jahren mit Sir John Charnley, der den Knochenzement einführte, der schon in der Zahnmedizin Verwendung fand.


Anhand der Powerpoint-Präsentation wurden Röntgenbilder mit Implantaten gezeigt, aber auch Bilder, die während einer Operation entstanden sind. Der Referent zeigte weitere Entwicklungen der modernen Endoprothetik auf und ging auf die Vor- und Nachteile der Materialien wie etwa Titan ein. Außerdem informierte er über verschiedene Verankerungstechniken. Ein Problem ist auch heute noch die mögliche Lockerung nach Jahren. In diesem Fall muss das künstliche Gelenk ersetzt werden. „Die Forschung ist noch lange nicht am Ende“, schloss Ingolf Hoellen. „In den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren wird es noch spannend.“ Im Anschluss konnten sich die Gäste anhand von ausgelegten Exemplaren ein genaues Bild von den künstlichen Gelenken machen. Besucher, die selbst Endoprothesen tragen, stellten Fragen zu Material und Haltbarkeit der Verankerung. Die Vortragsreihe zur Technikgeschichte wird vom Förderverein Technikmuseum fortgesetzt.

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